Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei einer Pressekonferenz. (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Bernd von Jutrczenka (Archiv))

Streit um Batteriefabrik-Standort Vor Karliczek-Besuch: Ulmer Forscher fordert Aufklärung

Nach der Entscheidung über den Standort für eine Batteriefabrik steht Forschungsministerin Karliczek weiter in der Kritik. Es gibt viele Unklarheiten, sagt der Ulmer Batterieforscher Maximilian Fichtner im Interview.

Baden-Württemberg sah sich schon als Sieger: Eine halbe Milliarde Euro an Bundesmitteln für eine moderne Forschungsfabrik für Batteriezellen in Ulm galten als ausgemacht. Vor gut zwei Wochen jedoch kam die große Enttäuschung, sowohl für die Landespolitiker als auch für Forschung und Wirtschaft in Baden-Württemberg. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) entschied, dass die Forschungsfabrik in ihrer Heimatregion Münster entstehen soll.

Im Stuttgarter Landtag sorgte das quer durch die Parteien für Unmut, sogar von einem Skandal war die Rede. Am Montag reist Karliczek nun nach Ulm. Sie besucht zwei Institute, die an Batterietechnik forschen, unter anderem das Helmholtz-Institut für Elektrochemische Energiespeicherung. Professor Maximilian Fichtner ist dort stellvertretender Direktor. Er fordert Aufklärung von der Ministerin.

SWR Aktuell: Herr Fichtner, wie verärgert sind Sie, dass Ulm leer ausgegangen ist?

Maximilian Fichtner: Wir sind zunächst einmal verwundert, weil es in dem Prozess einige Unklarheiten gegeben hat, die aus unserer Sicht noch gelöst werden müssen. Vielleicht ist es möglich, tatsächlich mal die Protokolle einzusehen, wie diese Expertenkommission entschieden oder empfohlen hat. Berlin sagt, es hätte da kein Votum gegeben, andere sagen, es hätte eins gegeben. Das steht für mich an erster Stelle, dass man das mal aufklärt.

Der Batterieforscher Maximilian Fichtner vom Helmholtz-Institut in Ulm. (Foto: Fritz Beck, HIU)
Der Ulmer Batterieforscher Maximilian Fichtner: "Wir haben hier den zweitgrößten Forschungsverbund weltweit" Fritz Beck, HIU

Ist die Entscheidung ein Skandal, so wie es alle Parteien im Stuttgarter Landtag gesagt haben?

Ein Skandal wäre es dann, wenn sich die Politik einfach über die Expertise der extra zusammengerufenen Experten aus Industrie und Forschung hinweggesetzt hätte, um dann nach strukturpolitischen Gesichtspunkten zu entscheiden. Dann wäre das aus unserer Sicht fragwürdig.

Sie werden Frau Karliczek im Laufe des Tages treffen, was werden Sie ihr sagen?

Ich werde ihr berichten, was wir hier in Ulm im Verbund mit Karlsruhe alles aufgebaut haben. Wir haben hier den zweitgrößten Forschungs- und Entwicklungsverbund weltweit geschaffen und sind das auflagenstärkste Konsortium in Europa. Wir haben die größte Pilot-Fertigungsanlage für industrieformatige Batteriezellen hier in Ulm. Das hat kein anderer Standort in Europa. Und wir haben Experten in Karlsruhe, die sich mit neuen Methoden zur Fertigungsentwicklung befassen. Wir müssen da jetzt mal klar Flagge zeigen, was wir hier eigentlich machen und was wir können.

Haben Sie vor diesem Hintergrund die Hoffnung, dass es noch Gelder aus dem Bundesforschungsministerium für Sie geben wird?

Interessanterweise wird immer wieder berichtet, Ulm würde jetzt Geld bekommen im Gegenzug für eine Fertigungsstrecke für Brennstoffzellen. Wenn man die Leute aber fragt, dann ist das eine Entscheidung, die bereits vor einiger Zeit gefallen ist, vor dieser ganzen Batteriezellfertigungs-Entscheidung. Da wundert es mich dann schon, dass man das jetzt auf einmal mit in die Waagschale wirft, um so zu tun, als würde man jetzt noch mal besondere Gelder nach Ulm schicken. Ich würde mir sehr wünschen, dass es uns gelingt, die Stärken, die wir hier vor Ort haben, mit einer finanziellen Unterstützung besser aufzustellen und voranzutreiben.

Können Sie sich denn auch einen Verbund Ulm-Karlsruhe-Münster vorstellen, damit man gemeinsam schlagkräftig wird und die Batterietechnologie der Zukunft entwickelt?

Es ist ja geplant, dass andere Standorte mit eingebunden werden. Insofern können wir uns das natürlich vorstellen. Es ist nur die Frage, was wir hier dann letztlich tatsächlich dazu beitragen können. Sind wir nur Wasserträger oder haben wir hier einen entscheidenden Teil, den wir vorantreiben. Zum Beispiel mit Systemen jenseits von Lithium oder einer völlig neuen Fertigungstechnologie. Das ist aber alles noch nicht klar und muss noch diskutiert werden.

Das Interview führte Andreas Böhnisch.

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