Spitzenduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans Reaktionen zwischen Ulm und Gmünd zur neuen SPD-Führung

Die SPD-Mitglieder haben ihr neues Führungsduo bestimmt, die Reaktionen darauf fallen in der Region ganz unterschiedlich aus. Und zwar je nach eigener politischer Position.

Das designierte Führungsduo der SPD, die baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Saskia Esken und ihr Parteikollege aus Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans, gehören zum linken Flügel der SPD. Genauso wie die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis. Sie war zunächst selbst angetreten, hatte ihre Kandidatur aber später zurückgezogen.

Hilde Mattheis: "Das wird ein großer Kraftakt"

Im SWR-Interview sagte Mattheis, die Weichen seien jetzt so gestellt, dass die SPD linkere Positionen einnehmen könne. Sie hoffe, ihre Partei nutze diese Chance.

Hilde Mattheis (Foto: SWR)
Die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis hofft auf eine linkere Ausrichtung der SPD mit dem neuen Führungsduo

"Denn die Partei ist noch nicht aus der Gesamtproblematik heraus, sondern es geht jetzt darum, uns zu konsolidieren, bei dieser Neuaufstellung, das wird ein großer Kraftakt."

Hilde Mattheis, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ulm

Ein Kraftakt auch deshalb, weil das neue Führungsduo klare Änderungswünsche am Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD formuliert hat. Die Union hat dies bereits abgelehnt. Bis zum SPD-Parteitag, der am 6. Dezember beginnt, sollen die neuen Ziele der Partei und die Bedingungen feststehen, unter denen die SPD dem Bündnis treu bleiben will. Für die erklärte Gegnerin der Großen Koalition nur die logische Konsequenz einer von ihr schon lange geforderten Neuausrichtung der Partei. Die Verknüpfung der Wahl des Führungsduos mit der GroKo-Frage sei angekündigt gewesen:

"Dieses Duo steht dafür, kritisch nachzufragen. Meine Haltung ist ein bisschen konsequenter - ich sage, raus aus der Großen Koalition, aber jetzt wird es darum gehen, an Inhalten festzumachen, wo für uns die Schmerzgrenze erreicht ist."

Hilde Mattheis, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ulm

Christian Lange: "Selbstzerfleischung muss aufhören"

Die drohende Zerreißprobe für die Große Koalition, der weiter gehende Richtungsstreit in der SPD - viele Genossinnen und Genossen sorgen sich derzeit verstärkt um ihre schwächelnde Partei. Der Schwäbisch Gmünder Bundestagsabgeordnete Christian Lange macht in einer schriftlichen Stellungnahme kein Hehl daraus, dass er sich ein anderes Ergebnis erhofft hat. Er wünscht dem neuen Führungsteam aber gutes Gelingen, die Kritiker zu überzeugen und "die Partei zu einen". Die ewige Selbstzerfleischung müsse aufhören, so GroKo-Befürworter Lange.

Andreas Stoch: "Geschlossenheit ist das Zeichen der Zeit"

Ähnlich hat sich auch der Landesvorsitzende der baden-württembergischen SPD, Andreas Stoch aus Heidenheim, geäußert. Er sagte dem neuen Führungsduo Unterstützung zu, rief jedoch auch dazu auf, den Richtungsstreit innerhalb der SPD zu beenden:

"Geschlossenheit ist jetzt das Zeichen der Zeit und wir werden als SPD alles dafür tun, dass wir ...nach vorne blicken und uns jetzt wieder auf gute Politik für die Menschen konzentrieren und ich glaube, da hat die SPD sehr viel zu tun."

Der baden-württembergische Landesvorsitzende der SPD, Andreas Stoch aus Heidenheim
Der baden-württembergische SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch (Foto: SWR)
Andreas Stoch mahnt zur Geschlossenheit (Archivbild)

Viel zu tun also noch bis zum SPD-Bundesparteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin - dort fällt auch die endgültige Entscheidung über den neuen SPD-Vorsitz.

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