Prozess in Istanbul erneut vertagt Urteil gegen Meşale Tolu Ende Februar 2020

Der Prozess in Istanbul gegen die aus Ulm stammende Journalistin Meşale Tolu ist am Freitagvormittag erneut vertragt worden. Das Gericht will nun im Februar das Urteil verkünden.

Auf den 25.Februar hat das Gericht die Urteilsverkündung angesetzt. Der Anwalt von Meşale Tolu bezweifelt das. Bisher haben weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung Plädoyers gehalten. Gegenüber der Prozessbeobachterin des Bundestags, Margit Stumpp von den Grünen, erklärte der Verteidiger, er rechne noch mit mindestens fünf weiteren Prozesstagen.

Geheimer Zeuge wurde vernommen

Bei der einstündigen Verhandlung am Freitag wurde nach Angaben von Stumpp ein geheimer Zeuge vernommen. Er wurde per Video zugeschaltet und war so verpixelt, dass man kaum einen Menschen erkennen konnte. Die Stimme sei verzerrt gewesen. Laut Stumpp versuchte der Mann in seiner fünfminütigen Befragung, pauschal die 27 Angeklagten zu belasten.

In Istanbul wird der Prozess gegen Meşale Tolu fortgesetzt. (Foto: dpa Bildfunk, Felix Kästle)
In Istanbul ist der Prozess gegen Meşale Tolu erneut vertagt worden. Felix Kästle

Tolu hofft auf Ende der Ungewissheit

Tolu selbst war nicht zum Prozess nach Istanbul geflogen. Die Journalistin und Autorin hatte zuvor erklärt, sie hoffe auf ein baldiges "Ende der Ungewissheit". Vor zwei Jahren, am 11. Oktober 2017, stand sie das erste Mal vor dem Richter. Ende Mai war der Prozess zuletzt vertagt worden.

Verfahren dauert schon zweieinhalb Jahre

Das Verfahren gegen Tolu dauert nun schon zweieinhalb Jahre. Sie war im April 2017 verhaftet worden und saß mehrere Monate, zum Teil gemeinsam mit ihrem damals zweijährigen Sohn im Gefängnis. Im Sommer 2018 wurde sie freigelassen, durfte allerdings zunächst nicht nach Deutschland ausreisen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr, ihrem Ehemann und einer Gruppe weiterer Angeklagter Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei MLKP vor, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Dafür könnte das Gericht eine Strafe von bis zu 15 Jahre verhängen.

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