Schülerforschungszentrum Ulm erfolgreich Jugend forscht: Ulmer Gewinner mit Ideen und Biss

Die Schüler Jonas Münz und Jakob Rehberger leisten eine Arbeit, für die andere Jahre studieren. Sie haben eine Maschine für die Medizintechnik entwickelt und bei "Jugend forscht" abgeräumt.

In einem Raum Ulmer Schülerforschungszentrum steht eine mannshohe Apparatur mit gläsernem Gehäuse: Im Zentrum ist ein Edelstahlbecken - nicht größer als ein gewöhnliches Spülbecken - das mit Reinstwasser gefüllt ist. Jonas Münz zeigt auf einen spitz zulaufenden Ultraschallkopf.

Ein Jugendlicher vor einer gläsernen Apparatur mit einem Ultraschallkopf (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Vielseitig begabt: Der Jungforscher Jonas Münz vor der Entgratungsmaschine für Knochenimplantatschrauben Rainer Schlenz

Mit dem Ultraschall werden spezielle Schrauben im Becken "beschossen". Es sind mehrfach durchbohrte Schrauben für Knochenimplantate, die man zum Beispiel bei Wirbelsäulenverletzungen einsetzt. Der Ultraschall soll die Spezialschrauben entgraten.

Und an der Stelle, an der die Bohrungen in der Schraube aufeinandertreffen, entsteht ein Grat in der Herstellung. Das ist so ein kleiner Metallspan am Werkstück und der muss eben abgereinigt werden. Und wir können das jetzt mit unserer Anlage vollautomatisch machen.                                                              

Jakob Rehberger

Mit ihrer Entwicklung haben die beiden Laupheimer Gymasiasten den Landeswettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen in der Kategorie „interdisziplinär“, für das fachübergreifende Arbeiten. Denn für die Entwicklung der Maschine brauchte es verschiedenste Kenntnisse: In Technik, Physik, Programmieren, außerdem Chemie.

Und dann zum Ende brauchts auch die Biologie: Was muss ich optimieren, dass das Wasser sauber bleibt, dass meine Schraube am Ende sauber ist. Weil ich will ja nicht irgendwie ganz viele Keime in den Patienten einbringen.

Jakob Rehberger

Jakob Rehberger und Jonas Münz haben das Projekt im Alter von 15 und 16 Jahren begonnen. In einer Lebensphase also, in der andere Jugendliche am Handy rumdaddeln, mit dem Skateboard durch Halfpipes rauschen oder sich vermehrt fürs andere Geschlecht interessieren. Diese beiden Jungs hingegen verbringen ihre Zeit mit Forschen.

Zwei Jugendliche vor einer Maschine in einem gläsernen Gehäuse (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Mehr als ein Jahr Entwicklungsarbeit steckt in der von Jonas Münz und Jakob Rehberger entwickelten Maschine zur Entgratung von Schrauben für die Medizintechnik Rainer Schlenz

Also sämtliche Ferien sind größtenteils schon draufgegangen, die Herbstferien, die Weihnachtsferien, die meisten Wochenenden auch. Unter der Woche ist man natürlich dann auch immer wieder hierhergekommen, um eben weiter zu arbeiten. Also es ist schon ne Zusatzbelastung.

Jakob Rehberger

Ist das Besessenheit? Disziplin? Oder mehr? Dem Projektbetreuer vom Schülerforschungszentrum, Dieter Münz, der schon manche Jungforscher zu Erfolgen geführt hat, kommt tatsächlich immer wieder ein Begriff in den Sinn:    

Das ist schon bei vielen ein Hauch von Genialität da. Die brennen für ihr Projekt. Und kommen auf Lösungen, wo wir Erwachsene wirklich nimmer drauf kommen, weil wir da auch schon zu blind sind fürs Leben.                      

Dieter Münz, Projektbetreuer vom Schülerforschungszentrum Ulm

Im Mai stellen Jakob und Jonas das Projekt beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ in Chemnitz vor. Und danach wollen die beiden die Anlage noch verfeinern. Sie wird viel stärker mit Robotik ausgestattet, sagt Jonas Münz. Der Schüler denkt darüber hinaus noch über ganz andere Forschungsprojekte nach.

Wer aber glaubt, die Jungs leben nur von Laborluft, Lötkolben und Laptop, der täuscht sich: Gleich nach dem Interview verabschieden sich die beiden – und machen sich auf den Weg in ein Leichtathletik-Camp.                                             

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