Justizgebäude in Ulm, davor stehen Autos (Foto: SWR, Petra Volz)

Prozess wegen Gewalt im Ulmer Gefängnis Häftling misshandelt Zellengenossen

Vor der Jugendkammer des Landgerichts Ulm hat am Dienstag der Prozess gegen einen Häftling begonnen. Er soll im Ulmer Gefängnis zwei Zellengenossen schwer misshandelt haben.

Die Anklage wirft dem 19-Jährigen unter anderem schwere Vergewaltigung mit Todesgefahr, Raub und gefährliche Körperverletzung vor. Zum Prozessauftakt gestand der junge Häftling die Taten. Die beiden Opfer waren zu unterschiedlichen Zeiten seine Zellengenossen.

Brutale Misshandlungen

Vor allem einen 61-jährigen Mitgefangenen hat der junge Mann laut Anklage schwer misshandelt. Er ließ ihn laut Staatsanwalt die Zelle mit einer Zahnbürste reinigen, drückte seinen Kopf in die WC-Schüssel, schlug ihm ins Gesicht, trat auf ihn ein. Schließlich soll er ihn auch sexuell misshandelt haben, so schwer, dass der Mann in Lebensgefahr geriet und ihm ein künstlicher Darmausgang gelegt werden musste. Das Opfer schwieg aus Angst. Die Misshandlungen fielen erst auf, als Vollzugsbeamte auf die Verletzungen aufmerksam wurden. Einen Monat zuvor hatte der Angeklagte bereits einen 42-jährigen Zellengenossen mehrfach geschlagen und beraubt. Für den Prozess sind derzeit sechs Verhandlungstage angesetzt.

Immer wieder Übergriffe im Knast

Bereits Anfang des Jahres gab es vor dem Landgericht Ulm einen Prozess gegen Häftlinge der Jugendabteilung der Ulmer Untersuchungshaft wegen brutaler Übergriffe auf Mitgefangene. Die Vorfälle wie versuchte Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung lagen fünf Jahre zurück. Der Haupttäter wurde im Februar zu dreieinhalb Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt. Der Fall hatte eine Diskussion über die Zustände in der Ulmer U-Haft ausgelöst.

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