Prozess am Landgericht Ulm Zeugen bedroht: Muss verurteilter Mörder in Psychiatrie?

Wegen Morddrohung gegen einen Zeugen und Körperverletzungen steht ein 30-Jähriger in Ulm erneut vor Gericht. 2006 hatte er an der Urspringschule in Schelklingen einen Mitschüler ermordet.

Der neue Prozess gegen den Mann wird am Ulmer Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Das Gericht gab dem Antrag des Verteidigers statt. Prozessbeobachter und Besucher mussten nach Verlesung der Anklageschrift den Saal verlassen, weil es vor allem um die psychische Verfassung und den Kern der Persönlichkeit des Angeklagten gehen wird.

dem Angeklagten werden im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen (Foto: SWR)
Körperverletzungen und Morddrohung - der inzwischen 30-Jährige, der 2006 einen Mitschüler ermordete, steht wieder vor Gericht

Unterbringung in der Psychiatrie?

Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern der Mann wegen einer schizophrenen Erkrankung schuldunfähig ist. Ihm werden unter anderem eine Morddrohung gegen einen früheren Zeugen, mehrere offenbar grundlose Körperverletzungen von Passanten und Angriffe auf Polizisten vorgeworfen. Das Ulmer Landgericht muss nun urteilen, ob der junge Mann wegen Gefährdung der Allgemeinheit dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird.

Mord in Internatsschule

Als Jugendlicher stand er in Ulm schon einmal wegen Mordes vor Gericht. Die Tat 2006 an der Internatsschule in Urspring, einem Ortsteil von Schelklingen im Alb-Donau-Kreis, hatte großes Entsetzen ausgelöst. Er hatte einen schlafenden Mitschüler mit vier Messerstichen in den Rücken getötet. Das Landgericht Ulm verurteilte ihn damals zur höchsten Jugendstrafe von zehn Jahren. Die Haft hat er vollständig verbüßt.

Kontakt zu Zeugen verboten

Es gab auch ein Verbot, damalige Zeugen zu kontaktieren. Dennoch hat der Mann laut Anklage im vergangenen Februar in Ulm einen damaligen Zeugen mit dem Tode bedroht. Außerdem wird ihm vorgeworfen, Anfang des Jahres in Ulm vier Menschen ohne Grund körperlich angegriffen zu haben.

Häuserfassade, altes Gemäuer, im Vordergrund eine Schild "Landgericht" (Foto: SWR, SWR)
Gegen einen verurteilten Mörder läuft erneut ein Prozess beim Landgericht Ulm (Archivbild) SWR

Faltmesser tauchte auf

Bei einer weiteren Attacke in einem Linienbus tauchte ein verbotenes Faltmesser auf. Danach wurde der 30-Jährige in die geschlossene Abteilung der Uniklinik Ulm eingewiesen.

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