Problem Personalmangel und Überforderung Pflegeausbildung in Bayerisch Schwaben: Viele brechen ab

In den Pflegeschulen werden so viele Fachkräfte wie noch nie ausgebildet. Aber viele üben nach der Ausbildung den Beruf nicht aus – oder brechen die Ausbildung ab. Beispiele aus Bayerisch Schwaben.

Nach ein paar Monaten habe er es nicht mehr ausgehalten, sagt ein ehemaliger Pflegeschüler, der sich nicht zu erkennen geben will: "Ich wollte immer einen sozialen Beruf haben, praktisch, auf den man stolz sein kann", sagt er. "Wo man abends heimgehen kann und gesagt hat: 'Ich hab was geschafft!' Aber das Gegenteil war der Fall, weil Du keine Zeit gehabt hast."

Junge Frauen in weißer Kleidung vor einem Krankenbett (Foto: BR, Judith Zacher)
Vorbereitung auf den Pflegealltag: Schülerinnen üben an einem Dummy BR, Judith Zacher

Der ehemalige Pflegeschüler meint, die Fallbeispiele in den Pflegeschulen und die Realität im Arbeitsalltag hätten wenig miteinander zu tun. Er konnte es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und hörte auf.

Schlechtes Gewissen

Ähnliches berichtet eine 19-Jährige: "Ich bin jeden Tag mit einem schlechten Gewissen nach Hause und musste nachdenken, was ist, wenn meine Oma da liegt. Mich hat das fertig gemacht."

Lehrerin beklagt Kluft zwischen jungen und älteren Pflegern

Eine Erklärung für den Frust der Pflegeschüler hat die Dillinger Pflegelehrerin Angelika Niklaser. Sie sagt, die ältere Generation mache mit 30 Jahren Berufserfahrung auch gute Pflege, verfüge aber nicht über all die neuen Erkenntnisse, die jetzt in die Ausbildung der Pflegekräfte einflössen.

Ein Pfleger stützt eine alte Frau (Foto: BR, Judith Zacher)
Der Arbeitsalltag in der Pflege sei vor allem vom Zeitdruck geprägt, berichten viele ehemalige Pflegeschüler BR, Judith Zacher

Gewerkschaft Ver.di fordert mehr Personal

Zuspruch bekommen die Pflegeschüler auch von Stefan Jagel von der Gewerkschaft Ver.di. Er bestätigt die Angaben der Pflegeschüler und fordert mehr Personal. Jagel beklagt, die Arbeitsbelastung auf Station führe in der Pflege dazu, dass Auszubildende eher als Hilfskräfte eingesetzt würden.

Pflegeberufegesetz regelt Ausbildung neu

Im kommenden Jahr tritt das Pflegeberufegesetz vollständig in Kraft. Es regelt die Ausbildung in den Pflegeberufen neu und soll dafür sorgen, dass Auszubildende bei ihrer Arbeit mit den Patienten besser angeleitet werden. Voraussetzung ist natürlich, dass es genügend Personal gibt.

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