Entscheidung am Verwaltungsgericht Sigmaringen Privatschule darf kein "Lernen daheim" anbieten

Das Verwaltungsgericht Sigmaringen hat am Dienstag die Klage eines privaten Schulträgervereins aus Laichingen (Alb-Donau-Kreis) zurückgewiesen. Demnach sollten die Schüler nur einmal pro Woche in die Schule kommen.

Die Schüler sollten laut Trägerverein eher zu Hause, also "im natürlichen Lebensumfeld" lernen, mit Unterstützung einer Internetplattform. Richtig in die Schule gehen sollten sie nur einmal pro Woche.

Bei der mündlichen Verhandlung am Vormittag hatte der Vorsitzende Richter schon Zweifel geäußert, ob ein einziger gemeinsamer Schultag pro Woche zum Erreichen der staatlichen Erziehungsziele reiche. Der Trend gehe eher hin zur Ganztagsschule, also zu mehr gemeinsamem Unterricht. Eine schriftliche Begründung der Entscheidung wird es in wenigen Wochen geben.

Lernen über eine Internetplattform

Die evangelische Reformschule aus Laichingen wollte die Genehmigung für eine private Grund-, Haupt- und Werkrealschule, an der es nur an einem Tag pro Woche gemeinsamen Unterricht gibt. Laut dem Konzept, das sich nach dem "Uracher Plan" richtet, sollten die Schüler hauptsächlich in einem virtuellen Klassenzimmer unterrichtet werden - zu Hause. Auch Hausbesuche von Lernbegleitern sollte es geben. Bislang gibt es die Schule des Vereins nur als sogenannte Ergänzungsschule.

Genehmigungsverfahren blieb jahrelang liegen

Bei dem Verfahren ging es um eine Untätigkeitsklage. Das Tübinger Regierungspräsidium hatte einen Antrag des Trägervereins auf Genehmigung der Schule drei Jahre lang nicht bearbeitet. In mehreren Schreiben an das Gericht hatte die Behörde vorab deutlich gemacht, dass laut geltendem Recht Schule bisher erfordere, dass Lehrende und Lernende sich im selben Raum aufhielten.

Gegen die Entscheidung kann Berufung eingelegt werden. Der Vorsitzende Richter sagte am Dienstag, dass ein Gang in höhere Instanzen sogar sinnvoll sei. Das Thema sei wichtig und berühre verfassungsrechtliche Fragen. Der Vereinssitzende hat bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen - gegebenenfalls sogar bis zum Bundesverwaltungsgericht.

Gericht betritt den Saal (Foto: SWR)
Verhandlungsbeginn in Sigmaringen
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