Dorfladen (Foto: SWR, Rainer Schlenz)

Nach zehn Jahren erstmals in Gewinnzone Der lange Atem der Dorfladen-Genossenschaft Hörvelsingen

Ein Dorfladen ist etwas Feines: Man kann wohnortnah einkaufen, bekommt regionale Produkte und muss noch nicht einmal Autofahren. Ein Konzept, das auch die Einwohner von Hörvelsingen überzeugt.

Einmal im Monat ist Markttag in Hörvelsingen - veranstaltet vom Dorfladen. Auf ein paar Bierbänken sitzen ältere Herrschaften mit Strohhut, trinken ihre Halbe. Später kommt eine Gruppe junger Männer und freut sich auf die reservierten Weißwürste.

Dorfladen (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Einmal im Monat ist Markttag vor dem Dorfladen: Hier gibt es Gemüse, Wurst und Käse, Brot und Bier. Rainer Schlenz

Junge Väter und Mütter radeln mit ihren Kindern hier her und decken sich fürs Wochenende ein. Der Dorfladen neben der weißen Kirche mit dem spitzen Turm ist allen wichtig: "Eine ganz große Bedeutung! Weil wir hier hergezogen sind und der Dorfladen hat mit eine Rolle gespielt, dass man einkaufen kann, ohne das Auto benutzen zu müssen", sagt ein Vater auf dem Dorfmarkt. „Viele Mitarbeiter duze ich auch, kenne ich auch. Man geht nicht nur einkaufen, sondern hält auch ein Schwätzchen auf Schwäbisch“, ergänzt eine Frau im Laden.

Dorfladen mit Tischen (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Ein Ort der Kommunikation: Seit kurzem gibt es im Dorfladen Hörvelsingen auch eine Sitzecke Rainer Schlenz

Von ällem ebbes

Der Dorfladen ist klein, das Sortiment indessen üppig: Rasierschaum und Radieschen, Shampoo und Schinken, Zeitung und Zahnpasta. Denn in Hörvelsingen gibt es ansonsten keinen Supermarkt, sagt Britt Märkle von der Genossenschaft, die den Laden betreibt:

„Deswegen versuchen wir schon, Vollsortiment zu haben, im Prinzip. Von ällem ebbes. Aber natürlich so, was im täglichen Bedarf von Lebensmitteln da ist. Das, was man braucht. Natürlich dann auch so die Putzmittel, Waschmittel. So dass man eigentlich bei uns fast alles kriegen kann.“

Britt Märkle, Genossenschaft Dorfladen Hörvelsingen

Auf eines legen Dorfladen-Genossenschaft wie Kunden offenbar wert: Dass die Produkte möglichst aus der Region kommen. Vollsortiment und Regionales - das gab es in Hörvelsingen auch schon in früheren Zeiten: den Tante-Emma-Laden der Familie Unseld. Bis ins hohe Alter hat seine Mutter den Laden geführt, erinnert sich Georg Unseld. Angeschlossen waren eine Wirtschaft und die Sparkasse. Aber um das Jahr 2000 war Schluss. Die Mutter konnte nicht mehr.

„Wirtschaftlich war der Laden eigentlich die letzten 20 Jahre nicht mehr tragbar. Der Umsatz ging laufend zurück. Eigentlich war’s eine Kommunikationsstelle. Sie hatte noch eine Wirtschaft dabei. Und von den ursprünglich drei Wirtschaften blieb am Ende eigentlich nur noch die Brauereigaststätte übrig. Und von den früher zwei oder drei Läden blieb dann keiner mehr übrig.“

Georg Unseld, Genossenschaft Dorfladen Hörvelsingen

Einige Jahre mussten die Hörvelsinger außerhalb einkaufen. Ein Treffpunkt in der Dorfmitte fehlte. Dann kam die Idee, einen neuen Dorfladen zu gründen. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten ist die Akzeptanz groß mittlerweile. Das macht sich auch in den Zahlen bemerkbar: Nach zehn Jahren liegt der Dorfladen erstmals in der Gewinnzone. Dass der Laden jetzt finanziell solide dasteht, liegt auch an Aktionen wie dem Dorfmarkt, dem Christbaumverkauf und Adventsveranstaltungen. Aber es geht gar nicht um Gewinnmaximierung:

„Unser Ziel ist es nicht, hier jetzt horrende Gewinne zu machen. Weil wir haben ja immer noch diese gemeinschaftliche Idee, Teil des Dorfes zu sein, für das Dorf da zu sein. Also wir müssen schon als Vorstand natürlich nach den Zahlen gucken, dass wir nicht in die Verluste rutschen. Aber die Gewinne sind eigentlich dazu da, dass man sie wieder investieren kann.“

Britt Märkle, Genossenschaft Dorfladen Hörvelsingen

Der größte Gewinn ist aber nicht der finanzielle. Die Kunden identifizieren sich mit dem Laden. Und die Mitarbeiterinnen wie Roswitha Hoerder hinter der Käsetheke allemal. Schließlich ist jeder hier Anteilseigner. Den Begriff „Genossenschaft“, das Wir-Gefühl, nimmt sie sehr ernst:

 „Weil ich es sehe als meinen Beitrag zur Dorfgemeinschaft. Und mir als Zugezogener hat das einfach sehr geholfen, mit Menschen in Kontakt zu treten, die hier leben. Man lernt sich kennen und der Dorfladen ist eben nicht nur Einkaufen, sondern wir pflegen einen ordentlichen Kundenkontakt und darauf einzugehen, das macht mir einfach Freude.“

Roswitha Hoerder, Genossenschaft Dorfladen Hörvelsingen
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