Nach Anschlag in Halle Ulmer Synagoge weiter unter Polizeischutz

Nach dem mutmaßlich rechtsextremen Angriff in Halle bewacht die Polizei weiterhin auch die Synagoge in Ulm. Dort ist seit Mittwoch nichts mehr so wie sonst.

Ein Streifenwagen steht auf dem Ulmer Weinhof, wenige Meter von dem quaderförmigen Gebäude entfernt. "Bis auf weiteres" werde die Polizei vor der Synagoge präsent sein, sagt der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik. Gefreut habe er sich nicht darüber, so Trebnik am Tag nach dem Anschlag. Denn eigentlich sehnten sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde nach Normalität.

Polizei vor Synagoge in Ulm (Foto: SWR)

"Unvorstellbar" findet es der evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl aus Ulm. "Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Deutschland passiert und dass Juden wieder Angst haben müssen." Allerdings, fügt er hinzu, sei es positiv, dass die Mehrheit der Menschen hinter "den jüdischen Freunden" stehe.

"Es wird immer lauter und immer extremer"

Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik zu den antisemitischen Taten

Doch auch in Ulm wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sichtbar. 2018, als Unbekannte auf Holztüren des Münsters und auf Kirchenbänke Hakenkreuze und Naziparolen schmierten. Ein Jahr zuvor schlugen Unbekannte mit einem Metallpfosten gegen die Synagoge und beschädigten die Außenfassade.

Beschimpfungen gegen Ulmer Rabbiner

Shneur Trebnik bekommt den Antisemitismus auch persönlich zu spüren, wie er dem SWR schilderte. "Alle zwei Wochen" werde er auf offener Straße angesprochen und beschimpft. Nachdenklich stimme ihn in diesem Zusammenhang die Aussage der Polizeigewerkschaft, man habe nicht genug Personal, um alle Gotteshäuser in Deutschland zu schützen.

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