Landgericht Ellwangen setzt Prozess fort Drei Morde in Sontheim: Hauptangeklagter schuldfähig

Im Prozess um drei Morde in Sontheim im Landkreis Heidenheim hat das Ellwanger Landgericht am Dienstag einen Sachverständigen gehört. Er sprach angesichts der Taten von "Abgrund und Grauen".

Am vierten Verhandlungstag erklärte der Gutachter, dass der Hauptangeklagte voll schuldfähig sei. Die Frage nach dem Warum mache ihn "rat- und hilflos". Man schaue in einen Abgrund.

Selbstjustiz verübt

Er beschrieb den 55-Jährigen als planvoll vorgehenden Menschen mit bürgerlicher Fassade. Der Angeklagte sei gewalttätig und von Selbstjustiz getrieben, möglicherweise spiele dabei seine sizilianische Herkunft eine Rolle. Kontakte zur Mafia konnten in dem Ermittlungsverfahren nicht nachgewiesen werden. Auch in der Familie der Ehefrau sollen vor Jahren schon zwei Menschen spurlos verschwunden sein.

Der angeklagte Vater sitzt mit gefesselten Händen auf der Anklagebank und hält sich einen Aktendeckel vor das Gesicht, links der Verteidiger Stephan Bauer mit einem der angeklagten Söhne. Er soll laut Anklage 2008 den damaligen Ehemann seiner Tochter in Sontheim an der Brenz erwürgt haben. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Stefan Puchner/dpa)
Der Hauptangeklagte hat vor Gericht zwei der drei ihm vorgeworfenen Verbrechen gestanden picture alliance/Stefan Puchner/dpa

Ehefrau verweigert Aussage

Zuvor hatte das Landgericht Ellwangen die Frau des Hauptangeklagten in den Zeugenstand gerufen. Sie verweigerte allerdings die Aussage: "Es geht hier um meinen Mann und meine Kinder. Ich habe nichts zu sagen."

Hauptangeklagter gesteht zwei Morde

Ihr 55-jähriger Ehemann, der zusammen mit seinen beiden Söhnen auf der Anklagebank sitzt, hatte Ende letzter Woche überraschend die Tötung des Lebensgefährten seiner Tochter 2014 gestanden, nachdem er im Prozess zunächst geschwiegen hatte.

Er gab auch zu, 2019 einen Geschäftsmann in Sontheim umgebracht zu haben. Die Tötung des Ehemanns der Tochter 2008 stritt er allerdings ab. Im Zusammenhang mit den beiden jüngsten Fällen hatten ihn seine Söhne und seine Tochter in ihren Aussagen vor Gericht schwer belastet. So soll der Vater die beiden letzten Morde geplant haben, berichtete sein ältester Sohn. Der 33-jährige gestand auch, an beiden Taten beteiligt gewesen zu sein, sein jüngerer Bruder war demnach bei der Ermordung des Lebensgefährten der Schwester 2014 dabei.

Leichenteile im Garten

Erst nach dem mutmaßlich dritten Mord im Mai dieses Jahres war das Trio aufgeflogen. In ihrem Garten in Sontheim waren Teile der Leiche gefunden worden. Die Ermittlungen der Polizei führten zu den weiteren Taten.

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