100 Tage nach der Razzia in der LEA Ellwangen Vier von fünf Abschiebeversuchen misslingen

Nach der Razzia in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Ellwangen im Mai ist wieder Normalität eingekehrt. Die Maßnahme sei richtig gewesen, sagte der Leiter, verändert habe sich aber wenig.

Mehrere hundert Polizisten rückten Anfang Mai zur LEA Ellwangen aus. Sie nahmen einen abgelehnten Asylsuchenden aus Westafrika fest, der abgeschoben werden sollte. Außerdem wurden 23 weitere Männer wegen Fluchtversuchen verhaftet. Fast 300 Bewohner wurden kontrolliert.

Szenen einer Polizeirazzia zeigen Verhaftungen und Polizeiaufgebot (Foto: picture-alliance / dpa)
Mehr als 20 Festnahmen hat es während der Razzia Anfang Mai gegeben (Archivbild)

Wenige Tage zuvor hatten bis zu 150 Flüchtlinge die Abschiebung des Mannes aus Westafrika verhindert. Sie stellten sich demnach gegen die Polizei. Die Beamten zogen damals ab.

Wenig Veränderung nach der Razzia

In der LEA Ellwangen werden keine Verstöße gegen geltendes Recht geduldet, sagte Berthold Weiß, seit ihrer Eröffnung der Leiter der Einrichtung. Deswegen sei die Razzia richtig und auch verhältnismäßig gewesen. Verändert hat sich bei den Abschiebungen seitdem dennoch wenig.

Dauer

Eine von fünf Abschiebemaßnahmen sei erfolgreich, so der LEA-Leiter, das sei vor der Razzia so gewesen, auch in anderen Einrichtungen. Und das sei auch heute noch so. Derzeit leben etwa 600 Menschen auf dem Gelände am Ellwanger Stadtrand. Sie bekämen die Vorgehensweise der Polizei natürlich mit.

Flüchtlinge verstecken sich vor Abschiebung

Die Flüchtlinge versuchen die meist nächtlichen Abschiebungen zu verhindern, indem sie zum Beispiel nicht in ihrem Zimmer oder gar nicht in einem der Gebäude übernachten. So beschreibt es Wolfgang Weiß. Das könne die Leitung nicht verhindern, es bestehe keine Rechtsgrundlage, um von einer Abschiebung betroffene Menschen schon vorher festzuhalten.

Männer und Frauen stehen mit einem Plakat unter einem Baum (Foto: SWR, Michael Binder)
Einige Männer und Frauen demonstrierten nach der Razzia in Ellwangen für das Bleiberecht von Flüchtlingen (Archivbild) Michael Binder

Der Flüchtling aus Westafrika, dessen Abschiebung am Anfang des Geschehens stand, ist inzwischen nach Italien abgeschoben worden. Die anderen Bewohner wehrten sich in einer Kundgebung gegen die Darstellung, sie hätten in der fraglichen Nacht die Polizei bedroht.

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