Interview im irakischen Fernsehen Jesidin: IS-Peiniger doch nicht in Schwäbisch Gmünd gesehen

Vor gut einem Jahr hatte die vom IS verschleppte Jesidin Ashwaq T. angegeben, ihren früheren Peiniger in Schwäbisch Gmünd auf der Straße gesehen zu haben. Nun spricht sie von einem Irrtum.

Ashwaq T., eine junge Jesidin, spricht in einem YouTube-Video (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sardar sattar/YouTube/dpa, Archiv)
Die irakische Jesidin Ashwaq T. hat eingeräumt, ihren früheren Peiniger doch nicht auf der Straße gesehen zu haben. picture alliance/Sardar sattar/YouTube/dpa, Archiv

Der Fall hatte vor rund einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Die irakische Jesidin Ashwaq T. hatte erklärt, in Schwäbisch Gmünd ihren früheren Peiniger vom sogenannten Islamischen Staat (IS) gesehen zu haben.

Nun räumte sie in einem Interview im irakischen Staatsfernsehen ein, dass sie sich damals geirrt habe. Es habe sich herausgestellt, dass der Mann, den sie gesehen habe, ihrem Peiniger lediglich geähnelt habe.

Ashwaq T. steht ihrem früheren Peiniger gegenüber

In dem Beitrag des irakischen Staatsfernsehen ist zu sehen, wie die Jesidin ihren früheren Peiniger trifft. Der IS-Anhänger trägt gelbe Gefangenenkleidung und schaut nur nach unten. "Heb Deinen Kopf", sagt sie, während sie ihm gegenübersteht. "Ich war 14 Jahre alt, als Du mich vergewaltigt hast." Sie kämpft mit den Tränen. "Du hast mein Leben zerstört. Du hast mir alles genommen, wovon ich geträumt habe." Am Ende bricht die Jesidin zusammen.

In dem Interview erklärte Ashwaq T., irakische Sicherheitskräfte hätten das Treffen mit dem inzwischen Festgenommenen vor laufender Kamera arrangiert. Das Video trägt das Logo des irakischen Geheimdienstes.

Schon früh Zweifel an der Geschichte

Die junge Frau war 2015 nach Deutschland geflohen. Nach der angeblichen Begegnung vor rund einem Jahr ging sie aus Angst wieder in den Irak, kehrte aber wenig später nach Deutschland zurück. Sie hatte damals die deutschen Sicherheitsbehörden wegen mangelnder Ermittlungsarbeit kritisiert.

Die Bundesanwaltschaft hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Schon nach kurzer Zeit waren Zweifel an der Darstellung der jungen Frau aufgekommen. Es hatte unter anderem den Verdacht gegeben, dass der Vater seine Tochter instrumentalisiert habe, damit Deutschland weitere Angehörige aufnimmt.

Tausende jesidische Frauen verschleppt und misshandelt

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte im Sommer 2014 große Regionen im Norden des Iraks überrannt. Dazu gehörten auch Gebiete der Jesiden, einer religiösen Minderheit, die von den Dschihadisten verfolgt wird. Tausende jesidische Frauen wurden von den Extremisten verschleppt und über Jahre misshandelt und missbraucht.

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