Frauen nehmen am Kreuzweg in Ulm teil (Foto: SWR, Maren Haring)

Geschichten über die Vergessenen der Geschichte Frauenkreuzweg in Ulm erinnert an durchkreuzte Lebenswege

In Ulm gab es in dieser Woche einen besonderen Kreuzweg: Er widmete sich den Frauen der Stadt, die Gewalt und Unrecht erlitten haben. Es geht um historische Figuren wie auch Frauen von heute.

Zum fünften Mal haben Frauen des Evangelischen Bildungswerks Alb-Donau und der Bezirksarbeitskreises Frauen den Frauenkreuzweg organisiert. Er führte durch die Ulmer Oststadt, zu sechs Stationen, von der Pauluskirche über den Alten Friedhof bis ins Viertel "Auf dem Kreuz". Überall begegneten den Gläubigen Frauengeschichten.

Dauer

Erzählt wurde zum Beispiel von der Maurerswitwe Anna Barbara Haltmeyer, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts erhängte und im Grab bei den armen Sündern vor den Toren der Stadt verscharrt wurde. Von Else Dölzer, 1899 in Ulm geborene Jüdin, 1944 von den Nazis ermordet. Und von Frau M., die bei der Frauenberatungsstelle Hilfe und Schutz sucht.

Frauen nehmen am Kreuzweg in Ulm teil (Foto: SWR, Maren Haring)
Eine Station ist das Geburtshaus von Else Dölzer Maren Haring

Die Stationen liegen zum Beispiel am Eingang der Frauenberatungsstelle "Frauen helfen Frauen e.V." in einem Innenhof. Oder am ehemaligen Wohnhaus von Else Dölzer nahe der viel befahrenen Olgastraße in Ulm.

„Frauen sind nach wie vor Vergessene der Geschichte. Wenn wir uns Ausstellungen anschauen, auch geschichtliche Ausstellungen, haben Frauen oft keinen Platz. Es geht um Männer. Unser Anliegen ist es, Frauenleben in den Mittelpunkt zu stellen. Frauenleben hier aus Ulm.

Bärbel Baumgart-Siehler, Evangelisches Bildungswerk Alb-Donau

Meist still wandern die Frauen durch den Alltag der Stadt, halten inne, hören Erzählungen nicht nur von Frauen, sondern auch von der Geschichte der Stadt. Sie hören Zitate aus den vier Evangelien, denn auch dieser Kreuzweg lehnt sich an die Leidensgeschichte Jesu an. Und sie beten für die Opfer von Gewalt zu allen Zeiten.

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