Gefährdete Vogelart in Heuwiese Seltener Wachtelkönig bremst Ulmer Landwirt aus

Als stark gefährdeter Brutvogel Deutschlands steht er auf der roten Liste: der Wachtelkönig. In Ulm brütet er möglicherweise in einer Wiese - mit gravierenden Folgen für den Landwirt.

Das Gras reicht Landwirt Christoph Raiber inzwischen bis an die Hüften. Es fault von unten und ist als Futter für seine Pferde nicht mehr verwertbar. Anfang Juni hat ihm die Stadt Ulm ein Mähverbot für die Wiese bis Ende August auferlegt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Wachtelkönig brütet

Hobby-Vogelkundler gehen davon aus, dass der seltene Wachtelkönig auf der Wiese nistet: ein gelbbrauner Vogel, etwas größer als eine normale Wachtel, der hohes Gras und feuchte Wiesen liebt. Die Experten haben den sehr seltenen Vogel anhand seines unverwechselbaren, knarrenden Balzrufes identifiziert. Daher kommt auch sein Name "Wiesenknarrer". Sie schätzen, dass drei Vogelpaare in der Wiese am Kloster in Ulm-Wiblingen brüten.

Das Archivbild zeigt ein präpariertes Exemplar eines Wachtelkönigs (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Mehrere Wachtelkönige, hier nur ein Präparat, sollen in einer Wiese in Ulm brüten Picture Alliance

Mähverbot für Landwirt

Weil die Nester des Wachtelkönigs durch das Mähen zerstört werden könnten, darf Landwirt Christoph Raiber eine Fläche so groß wie acht Fußballfelder, ein Viertel seiner Futterfläche, nicht abmähen. Verstößt er dagegen, drohen Geldstrafe oder gar bis zu drei Jahre Haft. Raiber muss nun Heu und Pellets zukaufen. Das kostet ihn nach eigenen Angaben 13.000 Euro. Einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung habe er nicht, erklärt Stefan Miltz von der Naturschutzbehörde der Stadt Ulm.

Es gibt hier nur die Möglichkeit einer freiwilligen Leistung. Das haben wir mit anderen Arten auch, ob es der Biber ist oder der Kormoran. Das Land hat die Haltung, das sind Wildtiere, dafür haftet das Land nicht. Es ist hart.

Stefan Miltz, Naturschutzbehörde Stadt Ulm

Laut Raiber war zunächst von einer freiwilligen Unterstützung in Höhe von 850 Euro die Rede. Doch damit wollte sich der Pferdehofbesitzer nicht abfinden. Er kündigte an, den gesamten Schaden einklagen, unterstützt vom Kreisbauernverband und einem Rechtsanwalt.

Ich habe nichts gegen den Wachtelkönig. Aber Naturschutz kann nicht auf dem Rücken eines einzelnen Landwirtes ausgetragen werden.

Landwirt Christoph Raiber

Nach ersten Medienberichten über den Fall und Nachfrage des SWR hat die Behörde nun dem Landwirt bis zu 10.000 Euro an freiwilliger Hilfe in Aussicht gestellt.

STAND