Streit wegen Nazi-Symbol Umstrittener Imagefilm der Stadt Ulm wird nicht geändert

Die Stadt Ulm wird ihren umstrittenen neuen Imagefilm weder ändern noch löschen. Das hat sie am Dienstag mitgeteilt. In dem Film ist ein rechtsradikales Symbol zu sehen.

In einer Mitteilung schreibt die Stadt: "Die Stadt Ulm steht zu dem im Kampagnenfilm künstlerisch umgesetzten Anspruch einer vielfältigen Gesellschaft und wird den Film auf ihren Kanälen in der ursprünglich veröffentlichten Form belassen." Die Stadt wolle mit dem Film zeigen, "dass die zwischenmenschliche Begegnung für alle Anstoß sein kann, bisherige Einstellungen und gegebenenfalls Vorurteile zu überdenken und hoffentlich auch zu überwinden." Anfang Dezember soll es eine öffentliche Diskussionsrunde geben.

Ein Mann mit einem tätowiertem Sonnensymbol im Nacken (Foto: Screenshot Youtube, Imagefilm Stadt Ulm)
Sponsoren des umstrittenen Imagefilms der Stadt Ulm wollen wegen des Nazisymbols nicht mehr im Abspann auftauchen. Screenshot Youtube, Imagefilm Stadt Ulm

Produktionsfirma: "Film wird fehlinterpretiert"

Nach Ansicht der Produktionsfirma Cinematicz wird der Film fehlinterpretiert. Es gehe nicht um eine Imagekampagne, sondern um einen Kampagnenfilm mit einer Botschaft. "Es geht um eine Aussage für Menschlichkeit, nicht für Rassismus", sagte Geschäftsführer Hosam Sidou Abdulkader der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem Film sollten Probleme in Deutschland angesprochen werden - dazu gehöre auch der Rassismus. Abdulkader ist gegen eine Änderung des Skripts: "Dann wäre die Intention des Films weg", sagte er.

Am Montagabend hatte der Ältestenrat der Stadt Ulm zunächst beschlossen, das Video schnell überarbeiten zu lassen. Wenig später wurde die Entscheidung aber zurückgenommen. Nach SWR-Informationen waren die Freien Wähler gegen eine Überarbeitung.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Vielfalt der Stadt soll gezeigt werden

Zum Hintergrund: Verschiedene Akteure erzählen in dem Imagefilm auf Youtube die Geschichten, die die Vielfalt der Stadt repräsentieren sollen. Eine mittellose ältere Frau kommt darin vor, ein Junge mit Down-Syndrom, ein Arzt mit Migrationshintergrund und ein tätowierter Mann, der in einem Krankenhaus um das Leben seiner Tochter bangt.

Nur wenige Augenblicke ist der Mann zu sehen, der in seinem Nacken eine schwarze Sonne tätowiert hat. Das Symbol besteht im Prinzip aus drei übereinander gelegten Hakenkreuzen und dient Rechtsextremen, Neonazis und Faschisten als Erkennungszeichen.

Eine Tätowierung mit einer schwarzen Sonne auf dem Nacken eines Mannes (Foto: Ulm - Deine Stadt auf YouTube)
Die "schwarze Sonne" ist zwar nicht verboten, zählt aber zu den Symbolen rechtsextremer Kreise Ulm - Deine Stadt auf YouTube

Scharfe Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Netzwerken wird seit der Veröffentlichung des Videos heftig kritisiert, wie man mit Nazi-Symbolen für Vielfalt und Offenheit werben könne.

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