Neues Baugebiet am Ulmer Safranberg - aus der Serie Das kann Gemeinde (Foto: SWR, Maren Haring)

Das kann Gemeinde Ulms Weg gegen Spekulation mit Grundstücken

Ulm betreibt seit Jahren eine besondere Grundstückspolitik: Baugebiete werden erst erschlossen, wenn alle Grundstücke der Stadt gehören. Boden-Spekulanten wird so wortwörtlich der Boden entzogen.

Das Modell wird in den Medien eine "Spekulationsbremse" genannt: Es geht um die langfristige Bodenpolitik Ulms. Schon vor 125 Jahren hat die Stadt damit begonnen, Flächen aufzukaufen, um sie dann für Wohnbebauung zum Beispiel für Arbeiter zur Verfügung zu stellen. Dieses Konzept wird seitdem durchgezogen.

30 Flächen in Arbeit

Ständig ist das Liegenschaftsamt der Stadt damit beschäftigt, zu schauen, welche Flächen in Zukunft für das Wohnen, aber auch für das Gewerbe oder auch für Straßen und Ausgleichsflächen gebraucht werden könnten. Und zwar in den nächsten Jahrzehnten. Im Moment, so Ulrich Soldner vom Liegenschaftsamt, hat die Stadt 30 Gebiete in Arbeit. Von der Kaufvorbereitung bis zum Verkauf an Bauwillige ist alles dabei.

Zusätzliches Mittel: Das Wiederkaufsrecht

Neu erschlossen wird ein neues Baugebiet erst dann, wenn alle Flächen der Stadt gehören. Ergänzt wird dieser Ansatz durch das Wiederkaufsrecht der Stadt. Unbebaute Flächen, die früher der Stadt gehörten, können demnach nicht an privat weiterverkauft werden.  

Ein Drittel im Besitz der Stadt

Die langfristige Bodenpolitik hat dafür gesorgt, dass die Stadt im Besitz von etwa einem Drittel der Flächen des Stadtgebietes ist. Bei der Vergabe neu erschlossener Grundstücke könne man im Vergleich zu anderen Städten noch recht günstige Flächen anbieten. Am westlichen Stadtrand zum Beispiel werden laut Ulrich Soldner bald weitere Bauflächen zum Preis von 280 Euro pro Quadratmeter angeboten. In zentraler Lage, am Safranberg, werden allerdings auch schon 700 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Dauer

Hinzu kommt, dass es in Ulm mit der städtischen Wohnungsgesellschaft UWS und der Genossenschaft der Ulmer Heimstätte zwei Anbieter günstiger Mietwohnungen gibt. Beiden gehört ein Drittel der 33.000 derzeit vermieteten Wohnungen im Stadtgebiet. Daher könne man auch hier günstigen Wohnraum anbieten, so Soldner.

Auch in Ulm steigen die Preise

Doch ganz von der aktuellen Entwicklung kann sich auch Ulm nicht abkoppeln. Die Nachfrage nach Mietwohnungen, Wohneigentum und Baugrund steigt. 3.000 Bewerber gibt es derzeit für Baugrundstücke der Stadt. Jährlich werden 60 bis 70 verkauft, sagt Ulrich Soldner. Und die Preise für Immobilien, seien es Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen, steigen seit Jahren deutlich. Allein für Eigentumswohnungen hat sich der Preis laut dem Gutachterausschuss in Ulm in den letzten zehn Jahren verdoppelt.

Kritik am Vorgehen der Stadt

Volker Munk, Chef eines privaten Bauträgers, lobt die Bodenvorratshaltung der Stadt. Die Gründstückspreise seien einer der größten Preistreiber, sagt er. Er kritisiert allerdings, dass die Baugebiete nicht schnell genug erschlossen werden. Es entstehe ein Engpass. Würden mehr Grundstücke schneller erschlossen, steige das Angebot und das könnte sich günstig auf die Preise auswirken. Sein Unternehmen kaufe meist von privat, hier seien die Preise in die Höhe geschossen.

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