Warum die Begeisterung fürs Mittelalter ungebrochen ist

Jubiläumsturnier in Niederstotzingen-Stetten: Württemberger Ritter trotzen Hitze und Feuer

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AUTOR/IN
Christian Michael Hammer

Nach zwei Jahren Pause haben die Württemberger Ritter bei einem Turnier wieder ihre Begeisterung für das Mittelalter gezeigt. Sie feierten in Stetten ob Lontal ihr Jubiläumsfest.

Die Sehnsucht nach zwei Jahren war groß - bei den Württemberger Rittern wie auch bei den Besucherinnen und Besuchern. Und die kamen am vergangenen Wochenende so zahlreich, dass es für manchen Neugierigen schwer war, sich einen Weg zum Turnierplatz im Innenhof des Ritterguts im Niederstotzinger Stadtteil Stetten ob Lontal im Kreis Heidenheim zu bahnen.

Eintauchen in die Welt des Mittelalters

Auf dem Weg dahin konnte, wer wollte, über den Mittelaltermarkt spazieren, in eine längst vergangene Zeit eintauchen und den schönsten Seiten des Mittelalters nachspüren: Die Händlerschaft bot Felle, Ledergürtel, Gewänder, mittelalterliches Schreibzeug und viele weitere Waren feil. Köche bereiteten wohlduftende Speisen zu und Spielleute in aufwändig gestalteten Gewändern unterhielten das Volk.

Farbenprächtiges Ritterturnier mit jeder Menge Zuschauer

Der eigentliche Höhepunkt war aber das Turnier zum 30-jährigen Bestehen der Württemberger Ritter. Vereinsvorsitzender Andreas Windmüller alias Andreas von Flandern eröffnete die Wettkämpfe mit dem Ausruf: "Volk von Stetten! Nach zwei Jahren Entbehrung bitte fürtrefflichen Jubel, der noch in Bissingen zu hören ist." Die Ritter harrten bei Temperaturen um die 30 Grad in voller Montur mit Rüstung und Helm aus. Dabei stellten sie Schau-Schlachten nach.

Jubiläumsfest der Württemberger Ritter in Niederstotzingen-Lontal: Ein Knappe bringt einen gefallenen Kameraden beim Historienspeil vom Schlachtfeld. (Foto: SWR)
Bei der Mittelalterveranstaltung stellten die Darsteller auch historische Schlachten nach.

Sie galoppierten mit erhobener Lanze aufeinander zu und übertrafen sich gegenseitig im Speerwerfen und im Schwertkampf. Um die ganze Szenerie noch eindrücklicher zu gestalten, kam zu Show-Zwecken viel Feuer zum Einsatz. Aus Brandschutzgründen hatte die Vorstandschaft der Württemberger Ritter das genutzte Areal im Vorfeld über Wochen bewässert.

"Einfall der Barbaren" als große Inszenierung

Die Württemberger Ritterjugend zeigte spannende Zweikämpfe und führte eine Geschichte von kaiserlichen Anführern, mutigen Rittern und gehorsamen Knappen auf. Eine auf Feuer spezialisierte Gruppe, der "Geheimbund der Drachen", zelebrierte den Sieg mit waghalsigen Stunts unter anderem beim "Einfall der Barbaren". Diese wurden nach harten Kämpfen und unter großem Jubel der Zuschauer in die Flucht geschlagen.

Ein Ritter kniet vor einem Pfahl. (Foto: SWR)
Bei den Aufführungen ging es um Geschichten aus dem 13. Jahrhundert.

Vorstand der Württemberger Ritter "vollauf begeistert"

"Wir haben ein grandioses Turnier erlebt und sind sehr zufrieden, dass alles, was wir uns vorgenommen haben, funktioniert hat", sagte der Vereinsvorsitzende der Württemberger Ritter, Andreas Windmüller, dem SWR. Allein am Samstagabend seien rund 2.500 Gäste gekommen.

30 Jahre Württemberger Ritter: Ausverkaufte Zuschauerränge beim Jubiläumsturnier in Stetten ob Lontal. (Foto: SWR)
Mehr Zuschauerinnen und Zuschauer als vom Vorstand erhofft waren beim Ritterturnier in Stetten ob Lontal (Kreis Heidenheim).

Corona-Pause war für Württemberger Ritter schwer, aber kreativ

Erleichtert zeigte sich Windmüller darüber, dass die Corona-Zeit nicht zu einem Mitgliederschwund in seinem Verein geführt hat. "Wir haben uns mit Videokonferenzen sehr bemüht, unsere Ideen für das Jubiläumsturnier zu entwickeln", so Windmüller. Bei der Veranstaltung gehe es hauptsächlich um "die Gemeinschaft".

"Wir haben alle ein großes Interesse am Mittelalter, aber können und wollen es nicht museal detailgenau nachstellen, sondern ein verbindendes Erlebnis schaffen."

Den nächsten Einsatz als Ritter haben die Württemberger Ritter aus Niederstotzingen-Stetten ab 26. August auf Burg Braunfels bei Wetzlar.

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