Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf die Produktion bei Porsche. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Lieferengpässe und Produktionsstopps

Wie der Ukraine-Krieg die Wirtschaft in Baden-Württemberg belastet

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Der Krieg gegen die Ukraine wirkt sich unterschiedlich aus im Geschäft baden-württembergischer Unternehmen: Folgen der Finanzsanktionen etwa, Probleme mit Rohstoffen und fertigen Produkten.

Gerade bremst Mercedes-Benz wegen eines Mangels an Autoteilen die Produktion am Standort Sindelfingen. Wichtige Teile können wegen des Krieges in der Ukraine nicht gefertigt und geliefert werden. Für das Werk sei teilweise Kurzarbeit beantragt, hat der Automobilhersteller erklärt. Der geringere Bedarf an Arbeitskräften lasse sich über Arbeitszeitinstrumente und eine veränderte Schichtplanung regeln.

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Porsche rechnet mit schwierigen Zeiten

Auch bei anderen Autobauern kam es bereits zu Produktionsstopps, weil zum Beispiel in der Ukraine gefertigte Stromkabelnetze fehlten. Lieferanten, so etwa der Kabelbaum-Spezialist Leoni, reagieren auf die stockende Produktion in der Ukraine, indem sie die Fertigung abziehen und an andere Standorte verlagern.

Nach dem Rekordjahr 2021 stellt sich Porsche jetzt auf schwierigere Zeiten ein. Wir fahren auf Sicht, erklärte der Autobauer. Auch hier kommt es wegen der Ukraine-Krise zu Produktionsausfällen. Eine geordnete Produktion sei teilweise nicht mehr möglich, weil Teile eines Zulieferers fehlen, heißt es.

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Unternehmen im Maschinenbau unterbrechen Produktion

Speditionen und Subunternehmern fehlen Lkw-Fahrer aus der Ukraine. Abgesehen davon finden kaum noch Transporte in die Ukraine und Russland statt.

Der Gartengerätehersteller Stihl aus Waiblingen bereitet sich nach Angaben einer Sprecherin darauf vor, möglicherweise die Montage zu unterbrechen - wegen fehlender Kabelbäume und Gummiteile, die seit Kriegsausbruch noch schwerer zu bekommen seien als davor schon. Die Geschäftsleitung sei bereits mit dem Betriebsrat im Gespräch - gleichzeitig werde aber auch versucht, auf anderen Wegen an die fehlenden Teile zu kommen.

Der Schraubenhersteller Würth aus Künzelsau liefert vorerst nicht mehr in die Krisenregion. Der Konzern selbst spürt nach Angaben einer Sprecherin bisher zwar keine Auswirkungen des Krieges. Allerdings ist unklar, ob Würth in der Zukunft indirekt über Zulieferer betroffen sein könnte.

Ein Kran verlädt Container im Handelshafen des Rhein-Neckar-Hafens. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Wirtschaft im Südwesten spürt die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine. Picture Alliance

Rückzug aus Russland

Der Autozulieferer Bosch zieht sich auch aus Russland zurück und schränkt sein Russlandgeschäft massiv ein. Das betreffe sowohl Lieferungen in das Land als auch die dortige Fertigung, teilte der Technologiekonzern in Gerlingen mit.

Daimler Truck hat seine geschäftlichen Aktivitäten in Russland und die Kooperation mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz eingestellt. Die Mercedes-Benz Group beabsichtigt, die 15-prozentige Beteiligung an Kamaz zu verkaufen. Auch den Export von Pkw und Vans nach Russland sowie die lokale Fertigung dort hat der Konzern bis auf Weiteres eingestellt.

Der Walldorfer Softwareriese SAP setzt alle seine Aktivitäten in Russland aus. Der Modekonzern Hugo Boss hat seine Geschäfte in Russland geschlossen. Damit seien Aktivitäten im Einzelhandel und Online-Shopping dort eingestellt, hieß es.

Bauindustrie befürchtet Baustopps

Auch die Bauindustrie befürchtet als Folge des russischen Einmarschs in die Ukraine den Stopp von laufenden Bauprojekten - etwa im Straßenbau. Es sei nicht sicher, ob genug Material vorhanden sei. Stark steigende Materialkosten könnten Firmen auch dazu zwingen, ihre Arbeit einzustellen. Sogar Lieferungen, wie Schrauben und Nägel kämen aufgrund von Sanktionen nicht mehr in Deutschland an, sagte der Chef des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie Tim-Oliver Müller. Er fordert bereits eine Priorisierung bei Bauprojekten ein.

Preise für Stahl, Bitumen und Aluminium seien extrem gestiegen und würden teilweise nur im Stundenrhythmus garantiert. Dadurch sei es unmöglich, seriös Angebote zu kalkulieren. Müller schlägt deshalb Verträge mit Preisgleitklauseln vor. Dadurch muss der Kunde gestiegene Mehrkosten zahlen. Ansonsten würden Baufirmen bei Projekten in die Verlustzone rutschen. Derzeit sei die Bauindustrie mit großen Auftraggebern wie etwa der Bahn in Kontakt und hofft auch auf Hilfe aus dem Bundesverkehrsministerium.

Häuslebauer müssen sich auf höhere Preise einstellen

In einer Umfrage des Ifo-Instituts kurz vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs haben viele deutsche Bauunternehmen bereits angekündigt, auf breiter Linie die Preise anzuheben. Der Grund: Die Preise für Baustoffe ziehen durch Bau-Boom und Pandemie immer weiter an.

Diese Zusatzkosten wollen die Betriebe laut Ifo-Umfrage in den kommenden Monaten an die Kunden weitergeben. Demnach plant das jeder zweite Betrieb im Hochbau, etwas weniger sind es im Tiefbau: Überirdische Gebäude wie Wohn- oder Geschäftshäuser sind also stärker vom zusätzlichen Preisanstieg betroffen als Straßen- oder Tunnelbaustellen. Künftige Häuslebauer müssen sich ebenfalls auf noch höhere Kosten einstellen.

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