Eine Intensivstation im Krankenhaus, auf der auch Corona-Kranke liegen können.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Matthias Balk)

Nach Aussage von Kretschmann

Kann man bereits vom Ende der Pandemie in BW sprechen?

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Ministerpräsident Kretschmann spricht von einem Übergang zur Endemie, sein Gesundheitsminister pflichtet ihm bei. Aber geht die Pandemie wirklich zu Ende? Ein Blick auf die Zahlen.

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Nachdem der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag erklärt hatte, in der jetzigen Lage vom "Team Vorsicht" ins "Team Liberalisierung" wechseln zu können, hat sich Gesundheitsminister Manfred Lucha (beide Grüne) am Mittwoch ähnlich geäußert. Auch er sprach vom Übergang der Pandemie zur Endemie. "Das ist die Position der Landesregierung."

Es gebe keine reinen Hinweise mehr auf eine Pandemie, so Lucha. Im Umgang sei man achtsam, besonnen und nicht aufgeregt, sagte der Gesundheitsminister. "Entscheidend ist, dass wir nicht nachlässig werden."

Der baden-württembergische Gesundheitsminister verwies auch auf den US-amerikanischen Präsidenten. Joe Biden hatte kurz zuvor die Pandemie für beendet erklärt. Lucha dazu wörtlich: "Sehen Sie, was Herr Biden gemacht hat. Ich glaube, das ist ein besonnener Blick." Allerdings gibt es auch in den USA kritische Stimmen. Sie verweisen auf nach wie vor Hunderte Tote pro Tag.

Oppositionspolitiker begrüßt Aussage von Kretschmann

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im baden-württembergischen Landtag, Hans-Ulrich Rülke, zeigte sich selten so einig mit dem Regierungschef. In Anspielung auf Kretschmanns Äußerung sagte Rülke am Mittwoch: "Willkommen im Team Freiheit!" Allerdings forderte der FDP-Politiker noch weitere Lockerungen. So solle auch die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen aufgehoben werden.

Datenrecherche: Mehr Infizierte erwartet

Doch wie sieht die Situation in Baden-Württemberg aus, wenn man auf die Daten und Zahlen schaut? Geht die Pandemie tatsächlich zu Ende? SWR-Datenjournalist Johannes Schmid-Johannsen gibt zu bedenken: "Jetzt in der kalten Jahreszeit wird die Inzidenz steigen und damit nehmen die Infektionen zu. Das sehen wir gerade."

Allerdings sei nicht die Zahl der Infizierten entscheidend, sondern wie viele Menschen - insbesondere intensiv-medizinisch - behandelt werden. Diese Zahlen seien derzeit niedrig. Aktuell würden weniger Menschen unmittelbar nach einer Infektion schwer erkranken oder sterben. Genau das sei jetzt anders als in den vorangegangenen Hochphasen der Pandemie, so Schmid-Johannsen. Ähnlich hatte sich bereits am Dienstag der Heidelberger Virologe Hans-Georg Kräusslich geäußert. Auch er sieht eine Entspannung der Corona-Lage in Baden-Württemberg.

Neue Corona-Variante könnte den Unterschied machen

Einzig eine aggressivere Variante könnte derzeit die Lage dramatisch verändern. Momentan ist die Virus-Variante BA.5 noch absolut dominant in Deutschland. Dort erkennen wir aber die erste kleine Veränderung: Andere Varianten setzen sich nun wieder langsam durch. Das muss man sicher im Auge behalten, so Datenjournalist Schmid-Johannsen weiter. 

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Angesichts der jüngsten Äußerungen von Kretschmann hat der Mainzer Virologe Bodo Plachter zur Vorsicht gemahnt. Im SWR betonte er: "Corona ist nicht ganz harmlos."

Hier können Sie das ganze Interview ansehen:

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Frühere Forderung nach Ende der Pandemie

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Lucha hatte übrigens bereits im März gefordert, dass der Bund das Ende der Pandemie erklärt. Doch damals hatte sich Ministerpräsident Kretschmann von der Forderung seines Ministers distanziert. Und auch Lucha ruderte kurz darauf zurück. Ein Ministeriumssprecher sagte: "Wir erklären die Pandemie explizit nicht für beendet".

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