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Das schöne Wetter am Wochenende hat Tausende an die Badeseen in der Umgebung gelockt. Dicht an dicht tummelten sich die Menschenmassen - coronabedingter Abstand: Fehlanzeige.

Ein Ansturm von Badegästen auf die Seen in Baden-Württemberg hat für Chaos gesorgt. Viele Gemeinden stehen deshalb unter Druck und überlegen sich Lösungen.

Aileswasensee in Neckartailfingen im Kreis Esslingen (Foto: 7-aktuell)
Sonne, 27 Grad und ein überfüllter Badesee: Die Zufahrt zum Aileswasensee in Neckartailfingen musste gesperrt werden. Der coronabedingte Mindestabstand konnte aufgrund der Menschensammlungen meist nicht eingehalten werden. 7-aktuell

Abstandsregeln gelten auch an Badeseen

Wie in Freibädern gelten die coronabedingten Abstandsregeln von eineinhalb Metern auch an den Badeseen im Land. Aufgrund des begrenzten Raums um die Seen kommt es jedoch vermehrt zu Problemen mit den Coronaregeln.

Insbesondere am Sonntag wurden an einigen Badeseen die Abstandsregeln missachtet. Am Breitenauer See bei Obersulm (Kreis Heilbronn) sollen sich beispielsweise nach Schätzungen der Polizei allein rund 10.000 Besucher aufgehalten haben. "Die Zustände waren bedenklich", sagte ein Sprecher der Polizeibehörde. Bei einer so großen Menschenmenge seien die Corona-Regeln kaum kontrollierbar.

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Aufgrund des Besucheransturms ist es daher an mehreren Badeseen zu Zufahrtssperrungen und vermehrtem Einsatz von Security- und Gemeindevollzugsdiensten gekommen.

Parkverbote und möglicherweise Begrenzung der Besucherzahlen

Laut des Bürgermeisters von Neckartailfingen (Kreis Esslingen), Gerhard Gertitschke, merke man derzeit auch an weniger warmen Tagen ein vermehrtes Besucheraufkommen am Badesee Aileswasen. Viele Menschen würden momentan ihren Urlaub zu Hause verbringen und das spüre man deutlich.

Die rund 650 Parkplätze um den Aileswasensee kamen am Wochenende schnell an ihre Grenzen. Die Zufahrt musste gesperrt werden, so der Bürgermeister. Die Menschen wären daraufhin allerdings auf Feldwege ausgewichen oder hätten weite Laufwege auf sich genommen. Laut des Bürgermeisters überlege man in der Gemeinde Neckartailfingen daher beispielsweise, Parkverbote zu erlassen, um den Besucheransturm einzugrenzen.

In Heilbronn prüft das Gesundheitsamt bereits, ob es unter den Badegästen vom Wochenende einen Corona-Fall gab. Sollte sich ein solcher bestätigen, würden womöglich alle Badeseen im Kreis Heilbronn geschlossen, so ein Behördensprecher auf SWR- Anfrage. Andere Möglichkeiten, wie eine Beschränkung der Besucherzahlen, bespreche man ebenfalls.

Beschränkungen des öffentlichen Raums schwieriger durchsetzbar

Schwierigkeiten bereite hingegen die Tatsache, dass es sich bei den Badeseen um den öffentlichen Raum handele. Ein intensiveres Eingreifen der Gemeinde gestalte sich schwierig, so der Bürgermeister der Gemeinde Neckartailfingen gegenüber dem SWR. Man berate derzeit über weitere Maßnahmen.

Auch in anderen Gemeinden, wie beispielsweise in Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen), beobachte man die Situation kritisch und berate weitere Schritte, so Michael Schäfer, Leiter des Fachbereichs zentrale Dienste. Am Kirchentellinsfurter Baggersee "Epple" zum Beispiel, bestand bereits während der Corona-Hochphase in Baden-Württemberg ein einmonatiges Betretungs- und Aufenthaltsverbot für die Liegeflächen um den See. Bußgelder gab es bisher aber noch keine, so Schäfer.

Badeseen gegenüber Freibädern bevorzugt

Die Gemeinden vermuten, dass momentan Seen lieber aufgesucht werden als Freibäder. In Schwimmbädern gelten zwar strenge Hygienekonzepte, um das Ansteckungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren und die Abstände einzuhalten. Allerdings ist die Hürde für einen Besuch auch weitaus höher. So müssen beispielsweise bestimmte Zeitfenster, teils mehrere Tage im Voraus, gebucht werden oder begrenzte Besuchszeiten hingenommen werden.

Minister Lucha appelliert an die Vernunft

Mittlerweile hat sich auch der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) zu den überfüllten Badeseen am Wochenende gemeldet und an die Vernunft der Menschen appelliert: "Manche scheinen zu vergessen, dass wir uns noch mitten in der Pandemie befinden." "Wir sehen diese Entwicklung mit Sorge", so Lucha. Wer sich mit Hunderten von Menschen auf engem Raum tummele und die Abstandsregeln ignoriere, handele fahrlässig.

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