Abgeschnittene Weiden für den Campus Galli liegen an einem Bach (Foto: SWR)

Ausflug ins Mittelalter bei Meßkirch

Weiden Schneiden für die Klosterbaustelle Campus Galli

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Es ist eine der wichtigsten Arbeiten im Winter auf der Klosterbaustelle Campus Galli bei Meßkirch (Kreis Sigmaringen): das Schneiden der Kopfweiden.

Man erkennt ihn erst auf den zweiten Blick: Statt mit mittelalterlichen Maurerkelle und Wollumhang steht Maurer Andreas Mutter, genannt Mutti, an diesem frostigen Morgen mit Astschere in der Hand und einem rot-schwarz kariertem Holzfällerhemd in der Nähe von Ablach, einem kleinen Ort bei Meßkirch. Hier schneidet er mit acht weiteren Campus Galli Mitarbeitern die Ruten der Kopfweiden. Insgesamt 25 Weideplätze gibt es, an denen die Ruten während der Winterpause geschnitten werden. Teils gehören sie Privatpersonen, die sich freuen, dass die Kulturpflanzen regelmäßig geschnitten werden. Teils sind sie Eigentum des staatlichen Forsts. Eine Win-Win-Situation ist es für alle Beteiligten.

Maurer Mutti schneidet im Winter viele Weiden (Foto: SWR)
Maurer Mutti schneidet im Winter viele Weiden

Aktiver Landschaftsschutz durchs Schneiden von Weiden

Neben Mutti gluckert ein kleines Bächlein. Das Ufer ist weiß vom Schnee gepudert. An den Kopfweiden, die dort stehen, recken sich lange, dunkelbraune Ruten aus den knollenartigen Baumkronen. Mutti geht in die Knie, zieht eine mit Raureif überzogene Rute heran und setzt gekonnt die Astschere an. Bei jedem Schnitt fällt eine Rute auf den Boden. Mutti achtet darauf, dass sich die Ruten nicht zu sehr verzweigen. So wächst die Kopfweide im Frühling besser und kann neue Triebe austreiben. Durch den Schnitt werden sie widerstandsfähiger. Sie können dann etwa bei Hochwasser die Hänge besser sichern, damit das Wasser nicht das ganze Bachbett wegschwemmt. "Aktiver Landschaftsschutz ist das", freut sich Mutti.

Die abgeschnittenen Ruten liegen in riesigen Haufen bei der Winterwerkstatt (Foto: SWR)
Die abgeschnittenen Ruten liegen in riesigen Haufen bei der Winterwerkstatt

Körbe und Zäune für die mittelalterliche Klosterbaustelle

Eine große Menge der braunen Ruten werden auf dem Campus Galli das Jahr über benötigt. Geschnitten werden dürfen sie nur zwischen November und Februar. Darum nutzen die Campus-Mitarbeiter gerade diese Zeit, um möglichst viele Weiden zu schneiden. Aus den biegsamen Ästen werden zum Beispiel Körbe geflochten, pro Saison immerhin über 200 Stück. Auch Weidezäune oder Wandgeflechte fürs Fachwerk, auf das später der Lehmputz aufgetragen werden kann, werden aus ihnen gebunden. Doch bevor aus den Ruten ein alltagstauglicher Korb wird, braucht es Zeit.

"Also da steckt wirklich viel Arbeit dahinter, das sieht man gar nicht. Aber da wird jetzt wirklich den ganzen Winter dran gearbeitet, dass dann eben für die Saison genug Material da ist."

Gegen wackelige Körbe hilft langes Trocknen

Die abgeschnittenen Ruten werden später in die kleine Winterwerkstatt nach Vilsingen, einem Dorf bei Meßkirch gebracht. Vor einem alten Bauernhaus liegt bereits ein riesiger Haufen geschnittener Weiden. Drinnen, neben einem warmen Bollerofen, werden sie von Malte, der eigentlich als Schreiner auf dem Campus Galli arbeitet, geputzt. Jede einzelne Rute muss er in die Hand nehmen, die Verästelungen werden abgezwickt. Anschließend werden sie nach Dicke und Länge sortiert, um sie dann zu trocknen. Das ist besonders wichtig. Zum einen schimmeln die Ruten dann nicht. Zum anderen schrumpfen die Ruten während des Trocknens. Würde man sie sofort verarbeiten, würden sie im verarbeiteten Zustand schrumpfen. Auf dem Campus Galli gäbe es dann nur wackelige Körbe. So liegen sie mehrere Monate im Trockenen, bevor sie Anfang der Freilichtmuseumssaison wieder ins Wasser gelegt werden. dann werden sie schön biegsam.

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