Zehn Jahre nach der Bergung der Grabkammer

Geheimnis der Keltenfürstin von der Heuneburg gelüftet

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Zehn Jahre nach der spektakulären Bergung einer Grabkammer im Donautal bei Sigmaringen ist das Geheimnis der Keltenfürstin von der Heuneburg weitgehend gelüftet. Die Auswertung der Funde durch Experten des Landesamts für Denkmalpflege erweitert den Blick auf die Welt der Kelten vor 2.600 Jahren.

Bergung der keltischen Grabkammer (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Bergung der Grabkammer der Keltenfürstin im Jahr 2010 Patrick Seeger Bild in Detailansicht öffnen
Diffizile Arbeit im Labor: Eine Bernsteinperle wird aus den Holzdielen geborgen Bild in Detailansicht öffnen
Goldenes Ohrband der Keltenfürstin Franziska Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Schmuck der Keltenfürstin von der Heuneburg bei Sigmaringen Franziska Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
So könnte die Keltenfürstin ausgesehen haben: Darstellung und Schmuck aus der Ausstellung im Container "Das Geheimnis der Keltenfürtin" Bild in Detailansicht öffnen
Gehörten die magischen Steine zu einem Amulett? Bernhard Kirschner Bild in Detailansicht öffnen
Replik des Pferdegehänges mit Eberzähnen Bild in Detailansicht öffnen
So könnte die Heuneburg mit der angrenzenden Stadt vor 2.600 Jahren ausgesehen haben. Landesamt für Denkmalpflege Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen

Vor ziemlich genau zehn Jahren, am 28. Dezember 2010, hoben zwei Spezialkräne eine Grabkammer aus der gefrorenen Erde im Donautal, ein paar Kilometer südlich des frühkeltischen Fürstensitzes Heuneburg bei Herbertingen (Kreis Sigmaringen). Anschließend brachte ein Tieflader den 80 Tonnen schweren Block mit der Größe einer Doppelgarage in ein Labor des Landesamtes für Denkmalpflege. Archäologen hatten das vier mal fünf Meter große Grab einer Keltenfürstin und einer Dienerin entdeckt. Es enthielt sehr gut erhaltene Beigaben aus Gold, Bernstein und Bronze.

Hölzer erlauben exakte Datierung

Das Team des Chefarchäologen des Landesamts, Dirk Krausse, hatte einen wahren Schatz gehoben. Es war das bisher einzige Grab aus der Blütezeit der Kelten von der Heuneburg, das nicht ausgeraubt war. Die Hölzer waren so gut erhalten, dass man das genaue Jahr der Bestattung bestimmen konnte, so Krausse. Die Fürstin war demnach 583 vor Christus beigesetzt worden.

Aristokratische Dynastie

Die Frau war Mitte 30, als sie starb. Sie stammte aus der Gegend, wie Zahnschmelz-Untersuchungen ergeben haben. Die junge Frau hat den Bau der einzigartigen Lehmziegelmauer der Burganlage miterlebt und war Teil einer aristokratischen Dynastie, wie Funde aus einem benachbarten Mädchengrab nahelegen.

Kunsthandwerker aus Italien

Ihren aufwändigen Schmuck, das Brustkollier aus fein ziselierten Goldkugeln und Perlen aus Bernstein, den bandförmigen Ohrring und die Gewandspangen aus Gold haben Kunsthandwerker auf der Heuneburg gefertigt. Auf Grund der angewandten Techniken und der Ornamente dürften sie aus Italien oder von der Iberischen Halbinsel gekommen sein, vermutet Prof. Krausse.

Heuneburg als Handelszentrum

Die Heuneburg war international vernetzt, eine Drehscheibe des Handels. Der Bernstein kam von der Ostsee, das Material für die schwarzen Armringe, Ölschiefer oder Blackstone, aus Südengland. Die reichen Beigaben zeugen von der hohen Stellung der jungen Frau.

Heilerin oder keltische Priesterin

Sie hatte womöglich eine besondere Aufgabe, meint Chefrestauratorin Nicole Ebinger. Die Spezialistin fasziniert ein besonderer Ensemblefund von 15 Stücken, darunter ein Bergkristall, ein gebänderter Feuerstein, Fossilien, womöglich Amulette. Vielleicht war sie eine Heilerin und man gab ihr ihre magischen Steine mit ins Grab.

Pferde als Leidenschaft der Kelten

Nicole Ebinger hat in jahrelanger Detailarbeit mit ihrem Team die vielen Fundstücke geborgen und restauriert. Die passionierte Reiterin war es auch, die den entscheidenden Hinweis auf die Funktion eines Bronzeblechs gegeben hat. Es erwies sich als Stirnpanzer eines Pferdes, das zu einem aufwändigen Zaumzeug mit Glöckchen und Eberzähnen gehört. Den Beweis dafür lieferte eine dreidimensionale CT-Aufnahme eines eingegipsten Blocks mit Funden, in dem Reste einer Trense zu sehen waren. So ein Stirnpanzer sei für diese Zeit ungewöhnlich nördlich der Alpen, meint Ebinger. Die Fürstin muss wie die Restauratorin ein Pferdefan gewesen sein.

Weitere keltische Grabkammer

Nicole Ebinger hat in den vergangenen zehn Jahren viel gelernt, zum Beispiel über das Zusammenspiel der gefundenen Materialien, der Wirkung von Wasser auf die verschiedenen Metalle, Textilien und Holz. Das Wissen kann sie nun sehr gut gebraucht. Denn im Moment ist sie mit ihrem Team dabei, eine weitere keltische Grabkammer aus dem Donautal unterhalb der Heuneburg zu untersuchen. Im Oktober hatten Spezialkräne nochmals eine benachbarte Grabkammer aus dem Boden gehoben. Erste Funde sind vielversprechend. Die Archäologen erhoffen sich weitere Hinweise über die Fürsten von der Heuneburg.

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