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Das Amtsgericht Tübingen hat eine Zahnärztin aus Offenburg wegen Bestechung verurteilt. Sie soll sich ihren Promotionsplatz erkauft haben.

Die Richterin verurteilte die Zahnärztin zu 90 Tagessätzen, das entspricht 18.000 Euro. Sie gestand der Angeklagten mildernde Umstände zu. Denn der Fall war erst durch die Ärztin ans Licht gekommen. Ihr Steuerberater hatte sie darauf hingewiesen, dass er die Bezahlung für den Professor nicht für die Steuererklärung verwenden kann und dass sie sich damit strafbar machen könnte. Deshalb meldete die Zahnärztin den Fall der Universität Tübingen. Daraufhin wurde das Promotionsverfahren gestoppt, sie und der Professor wurden angezeigt.

Urteil gegen Zahnärztin (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Das Amtsgericht Tübingen hat eine Zahnärztin wegen Bestechung verurteilt. Magdalena Knöller

Rechnung kam von Frau des Professors

Die Zahnärztin sagte vor Gericht, sie habe es für rechtens gehalten, dass der Professor 35.700 Euro von ihr für die Betreuung ihrer Doktorarbeit verlangt hatte. Sie sei es gewohnt, für Aus- und Fortbildungen zu bezahlen. Deshalb habe sie an der Geldforderung des Professors zunächst nicht gezweifelt. Nach Ansicht des Gerichts hätte sie aber wissen müssen, dass ein Uniprofessor für die Betreuung einer Doktorarbeit kein Geld verlangen darf. Spätestens aber, als sie eine Rechnung von der Eventagentur der Frau des Professors bekam, hätte sie stutzig werden müssen, so die Richterin.

Ärztin würde Doktorarbeit gerne abschließen

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst einen Strafbefehl wegen Vorteilsgewährung mit 70 Tagessätzen erlassen. Dagegen war die Zahnärztin vor Gericht gezogen. Hätte sie die Strafe angenommen, wie es ihr Doktorvater gemacht hat, wäre sie günstiger davon gekommen. Denn das Amtsgericht Tübingen sprach sie nun sogar wegen Bestechung schuldig. Der Verteidiger der Frau sagte dem SWR, sie hoffe immer noch darauf, ihre Doktorarbeit abschließen zu können. Sie habe neben ihrem Beruf drei Jahre in die Arbeit investiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger und Staatsanwaltschaft können noch Rechtsmittel einlegen.

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