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So heiß war ein Juni auf der Schwäbischen Alb in den letzten hundert Jahren sehr selten. Der Mai dagegen war der kälteste seit über 20 Jahren. Liegt es am Klimawandel?

Im Gespräch mit Thomas Scholz bei SWR4 Baden-Württemberg aus dem Studio Tübingen sagte der Klimabeobachter Roland Hummel aus Engstingen, momentan sei das Wetter eigentlich ganz normal.

Quellwolken können Wassermassen bringen

Roland Hummel: Wir haben im Juni anfangs noch ein bisschen Schafskälte, wo es auch schon nass und feucht ist. Im Laufe des Monats kommt wie zu erwarten ja noch Sonne dazu. Wir haben ja den Sonnenhöchststand im Juni, und das erwärmt diese Luftmassen und führt dann nachher zu vermehrter Quellwolken-Produktion. Und das haben wir in den letzten paar Tagen gesehen, was diese Quellwolken-Produktion ja an Wassermassen auch mit Hagel und mit allen möglichen Erscheinungen mit sich bringen kann.

Ein lächelnder Mann steht bei Sonnenschein am einer Wetterstation mit erklärendem Hinweisschild.  (Foto: Pressestelle, Roland Hummel)
Der Engstinger Klimabeobachter Roland Hummel bei seiner Klimastation am Kältepol Großes Rinnental. Pressestelle Roland Hummel

Unterschiedliche Klimabedingungen auf der Alb und davor

Thomas Scholz: Und kann man bei der Betrachtung der Gebiete sagen: das gilt es für die Schwäbische Alb? Oder muss man da kleiner gucken, sodass zum Beispiel es in Engstingen jetzt anders ist als drumherum: Sonnenbühl, Trochtelfingen oder Münsingen.

Roland Hummel: Also rein jetzt, wenn ich Engstingen sage, dann trifft es auch sicher für Sonnenbühl und die umliegenden Orte zu, während halt schon das Albvorland wieder regional eine andere Klimazone ist bei diesen Gewitterlagen, wo häufig diese Gewitter am Albnordrand entlang ziehen. Und das haben wir in den letzten Tagen ausgeprägt gesehen, dass also die Region von Tübingen, Reutlingen, Nürtingen, Metzingen da doch stärker betroffen war und deshalb in dieser Region deutlich mehr Niederschläge gefallen sind.

B27-Tunnel in Dusslingen wird bei Unwetter überflutet (Foto: SWR)
Den B27-Tunnel in Dusslingen hat der starke Regen am Montag überschwemmt.

Ist das der Klimawandel?

Thomas Scholz: Und würden Sie das jetzt noch als normal einstufen, wie sie es ja auch für den Juni gesagt haben? Oder ist das jetzt schon Klimawandel? Grundsätzliche dauerhafte Veränderung?

Roland Hummel: Nein, also, da kann man nicht wegen ein paar Ereignissen alles gleich auf den Klimawandel abwälzen. Es ist eigentlich völlig normal im Frühsommer, man spricht dann auch von einem mitteleuropäischen Sommermonsun. Das ist für uns Klimatologen so ein bisschen das ausschlaggebende Wort, ein mitteleuropäischer Sommermonsun. Also, wir dachten ja immer, es gibt nur einen Monsunregen in Indien oder in den Tropen oder sowas. Aber wir haben ja jetzt auch das Gefühl, dass es bei uns so schwülwarm war, immer so gewittrig und so ein bisschen subtropenartiges Flair hatte. Drum haben wir immer diesen Effekt, dass praktisch jeden Tag oft morgens schönes Wetter mit Sonne, nachmittags Quellwolken und gegen Abend diese Entladungen dieser Gewitter stattfinden.

Der Aussichtspunkt Bollberg bei Sonnenbühl. Fernblick im Gegenlicht mit vereinzelten Wolken. (Foto: SWR, Harry Röhrle)
Aussichtspunkt Bollberg Harry Röhrle

Die Wettervorhersage für den Sommer 2021

Thomas Scholz: Prognosen sind ja immer ein Risiko, weil sie falsch sein können. Aber wenn wir trotzdem mal jetzt auf den Juli und den August blicken, würden Sie einen Ausblick wagen, was der Monsun uns da bringt?

Roland Hummel: Das lässt sich jetzt natürlich noch nicht absehen. Man kann sowieso so konkret nur mit maximal zwei Wochen sehen. Und da wird sich jetzt in der ersten Juli-Hälfte auch nicht ganz viel an dieser momentanen Wetterlage ändern. Es wird immer so ein Mischmasch-Wetter mit vielen Quellwolken sein. Und es deutet sich ab der Juli-Mitte doch mal eine kleinere Hitzewelle an. Ob das natürlich den endgültigen Sommer-Durchbruch schafft oder nicht, das ist heute noch nicht abzusehen.

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