Störche in Mühlheim

Gefahr durch grelle Lichter und laute Knallerei

Böllerverbot in Mühlheim am Bach soll Weißstörche schützen

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Tim Richter
Tim Richter ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

Durch den Klimawandel überwintern immer mehr Störche bei uns - auch in Mühlheim am Bach. Die sind durch die Feuerwerkskörper gefährdet. Ein Böllerverbot soll den Tieren helfen.

Die Störche in Mühlheim am Bach (Kreis Rottweil) fliegen über die Wintermonate kaum noch in den Süden. Für die Tiere kann die Silvesternacht deshalb zur Tortur werden. Denn das ohrenbetäubende Knallen, pfeifende Raketen und grelle Lichter sind nicht nur für Hunde und Katzen ein Problem. Für Hartmut Polet, den Weißstorchbetreuer des Naturschutzbundes Oberndorf-Sulz, sind auch die Störche gefährdet.

Störche überwintern im Dorf

Dass die Störche im Dorf überwintern, liegt für den ehrenamtlichen Weißstorchbetreuer am Klimawandel. Bei den aktuell relativ warmen Temperaturen hätten die Vögel keine Not an Futter. Mäuse und Würmer gebe es genügend auf den Feldern und der Boden sei oft nicht mal gefroren.

Harmut Polet und Ludwig Schrägle begutachten das Storchennest in Mühlheim am Bach
Harmut Polet (links)und Ludwig Schrägle begutachten das Storchennest in Mühlheim am Bach.

Gefahr durch Raketen und Böller

Vergangenes Jahr seien die Störche in der Silvesternacht in ihrem Nest geblieben, so Polet. Zum Glück sei dabei nichts passiert. Doch das könne sich schnell ändern. Der Weißstorchbetreuer sieht viele Gefahren für die Tiere, wenn sie nicht rechtzeitig vor der Knallerei aus dem Nest flüchten. Denn Raketen könnten die aufgescheuchten Vögel treffen oder gar ins Gefieder "zwitschern", so Polet. Und im schlimmsten Fall könnten die Geschosse auch den Horst, also das Nest der Störche, auf der evangelischen Dorfkirche entflammen.

Die Böller und Raketen müssten die Vögel nicht mal direkt treffen, um Schaden zu hinterlassen, sagt Jürgen Wuhrer vom Vogelschutzzentrum in Mössingen dem SWR. Genauso gefährlich sei es, wenn die Vögel nachts aufgeschreckt und orientierungslos ihren Schlafplatz verließen. Einige Störche seien dadurch schon in Stromleitungen verendet, so Wuhrer.

Böllerverbot soll Tiere schützen

Um die Weißstörche zu schützen, hat sich Hartmut Polet mit dem Sulzer Naturschutzwart Ludwig Schrägle zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie sich an die Ortsverwaltung gewandt. Mit Erfolg: Am Rathaus hängt nun ein Schild, das auf eine Verbotszone beim Silvesterschießen hinweist. 200 Meter um das Stochennest herum darf nicht geböllert werden. Immerhin, freut sich Polet. Das sei ein erster Schritt. Denn auch in Zukunft würden "seine" Störche Silvester immer öfter in Mühlheim am Bach verbringen.

"Wenn Störche in einem Jahr nicht in den Süden geflogen sind, fliegen sie in den Folgejahren auch nicht mehr."

Infotafel zu Silvesterschiessen und Storchenschutz in Mülheim.
Infotafel zu Silvesterschiessen und Storchenschutz in Mülheim am Bach (Kreis Rottweil).

Zone für Böllerverbot müsste größer sein

Trotz der Verbotszone schaut Polet mit Anspannung Richtung Silvester. Seiner Meinung nach müsste das Böllerverbot eine größere Reichweite umfassen, damit die Störche auch nicht auf ihrer Standard-Flugroute über die Felder von Raketen abgeschossen werden. Außerdem würden unerlaubte Schießereien an Silvester polizeilich kaum verfolgt, so Polet. Zuständig sind Ordnungsämter und Landratsämter. Deswegen wird der ehrenamtliche Storchbetreuer aus Mühlheim am Bach selbst an Silvester die Augen offen halten, um "seine" Störche zu schützen.

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