Streit um Werbung auf Bussen (Foto: SWR, Magdalena Knöller)

Ärger wegen Richtlinien des Verkehrsministeriums

Horber Busunternehmer will weiter Werbung auf Fenstern

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Busunternehmer sollen künftig nicht mehr überall auf ihre Busse Werbung packen dürfen, wenn sie Fördergeld vom Land Baden-Württemberg wollen. Ein Horber Busunternehmer ist wütend.

Stefan Gressing vom Familienunternehmen "Vögele Reiseverkehr" in Horb (Kreis Freudenstadt) sind die Probleme anzusehen: wegen Corona keine langen Busreisen mehr, die erhöhten Dieselpreise und dann will auch noch das baden-württembergische Verkehrsministerium die Richtlinien für die Förderung von Linienbussen ändern. Wer Geld vom Land will, soll künftig keine Werbung mehr auf den Fensterscheiben der Busse anbringen dürfen. Stefan Gressing ist verärgert. Seine Branche brauche derzeit jeden Euro, sagte er dem SWR.

Hickmann: "wie im Gefangenentransport"

Begonnen hat der Konflikt schon im letzten Jahr. Da war der Abteilungsleiter für ÖPNV im baden-württembergischen Verkehrsministerium, Gerd Hickmann, mit einem Bus von Gressing unterwegs. Dabei hat er sich – Zitat aus einer E-Mail an den Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen – "wie im Gefangenentransport" gefühlt. Gressing hätte sich gewünscht, Gerd Hickmann hätte vorher mal bei ihm persönlich angerufen, anstatt gleich den Verband einzuschalten und auch noch die Förderrichtlinien zu verschärfen. Gressing erklärt das Problem so:

Es geht um Geld, um einige tausend Euro. Denn mit der Werbung auf den Scheiben kommen im Jahr rund 3.000 Euro in die Kasse – pro Linienbus. Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung vom Land.

"Eines ist klar: Die Busunternehmen bekleben ihre Fahrzeuge nicht aus Spaß an der Freude. Sie sind – ausdrücklich nicht nur in Zeiten von Corona – auf jede zusätzliche Einnahmequelle angewiesen; ansonsten müssen der Fahrgast und die öffentliche Hand solche fehlenden Gelder ausgleichen."

Aber im Verkehrsministerium stört man sich an der großflächigen Werbung auf den Fensterscheiben. Um mehr Leute in Bus und Bahn zu bekommen, gehöre auch eine schöne Aussicht dazu, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

"Wir wollen, wenn man Bus fährt, dass man auch noch eine Freude hat, dass man rausgucken kann. Wir sind nicht gegen Werbung, sondern wir sind dagegen, dass man die Scheiben beklebt. Das ist kein angenehmes Gefühl, wenn man Bus fährt."

Streit um Werbung auf Bussen (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Hier sieht man den Unterschied zwischen Aussicht aus dem Bus mit und ohne Werbung. Magdalena Knöller

Stört der Grauschleier durch die Werbung die Fahrgäste?

Sitzt man in einem Bus, an dem die Scheiben mit Werbung beklebt sind, bekommt die Sicht nach draußen einen Grauschleier. Aber stört der überhaupt die Fahrgäste? Der SWR hat einige von ihnen am Horber Busbahnhof gefragt. Das Meinungsbild fällt eindeutig aus:

Trotzdem: Verkehrsminister Hermann verteidigt das Vorgehen, dass es künftig nur noch die 40.000 Euro pro neuem Linienbus vom Land gibt, wenn die Sicht frei bleibt.

"Wenn die Busunternehmer so viele Zuschüsse bekommen, dann müssen sie sich auch an ein paar Regeln halten. Und jetzt geben wir die Regel vor: Scheiben werden nicht beklebt."

Dem Horber Omnibus-Unternehmer und seinen Kollegen bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Scheiben künftig freizuhalten, wenn sie das Geld vom Land bekommen möchten. Darauf zu verzichten, ist für die Busunternehmer sicher keine Option. Denn das fehlende Fördergeld wäre der deutlich größere Verlust als die fehlenden Werbeeinnahmen.

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