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Wer wird der 46. US-Präsident? Amtsinhaber Donald Trump (Republikaner) oder sein Herausforderer Joe Biden (Demokraten)? Am 3. November ist der Tag der Entscheidung. Wegen der vielen Briefwähler, wird sich die Auszählung hinziehen. Auch zwei in Tübingen lebende US-Amerikaner haben so abgestimmt.

Lucas Ogden lebt seit einem guten Jahrzehnt in Deutschland und ist eigentlich schon immer Republikaner. Wie viele US-Amerikaner ist er einfach in die gleiche Partei eingetreten wie seine Eltern. Die seien nicht extrem konservativ, aber auch nicht sehr politisch denkend. Auch komme er aus einem ländlich geprägten Teil Kaliforniens und da wähle man eben republikanisch, so Ogden.

"Republikaner nach rechts gerückt"

Doch jetzt ist für den Tübinger Kommunikationstrainer die Zeit reif, aus der Partei auszutreten. Denn zum einen habe er sich verändert und zum anderen sei die Partei eine andere geworden.

"Früher habe ich die Republikaner als normale Partei angesehen, wie die CDU/CSU. Doch in den vergangenen Jahren ist die Partei nach rechts gerückt".

Der US-Amerikaner Lucas Ogden über die Republikaner

Auch die Rhetorik von Donald Trump könne er nur schwer aushalten. Deshalb wird Ogden seine Stimme dieses Mal Joe Biden, also den Demokraten, geben.

Als Erstwählerin für die Demokraten gestimmt

Auch die 28-Jährige Kim Schafhauser hat Joe Biden gewählt, weil sie Donald Trump stoppen möchte. Die amerikanische Politik hat sie jahrelang aus der Distanz beobachtet. Doch dieses Mal will sich die Deutsch-Amerikanerin einmischen. Denn Donald Trump müsse unbedingt gestoppt werden:

"Für mich ist Trump kein Leader eines Landes, das sowieso schon gespalten ist. Ich glaube das muss jetzt in die andere Richtung gehen."

Die Erstwählerin Kim Schafhauser

Zwar sei der 77-jährige Biden nicht ihr Wunschkandidat, doch mit den Demokraten habe sie eine größere politische Schnittmenge. Beispielsweise will auch Schafhauser schärfere Waffengesetze, weniger Polizeigewalt, Gleichberechtigung für Afro-Amerikaner und vor allem weniger Coronatote. Deswegen sieht Schafhauser sich und viele junge Amerikaner in der Pflicht, wählen zu gehen.

Kompliziertes Verfahren

Für im Ausland lebende Amerikanerinnen und Amerikaner ist es ein aufwendiges und kompliziertes Verfahren, sagt Kim Schafhauser. Es finge schon damit an, dass sie sich registrieren müssten. Und mit der Wahl des Präsidenten kämen in vielen Staaten noch zusätzliche Abstimmungen dazu, da kenne sie sich nicht so gut aus. Doch übers Internet und amerikanische Zeitungen, habe sie sich informieren können. Da sie im Rahmen ihres Studiums zur Kulturmanagerin beim Tübinger Deutsch-Amerikanischen-Institut (d.a.i.) arbeitete, saß sie an der Quelle.

Kein schnelles Ergebnis erwartet

Auf den Ausgang der Wahl sind Ogden und Schafhauser sehr gespannt. Da in den USA auch viele Wählerinnen und Wähler per Briefwahl abgestimmt haben, rechnen sie nicht mit einem schnellen Ergebnis. Ogden befürchtet, dass das Ergebnis von keiner Seite anerkannt werde und dann müssten die Gerichte entscheiden.

Das d.a.i in Tübingen veranstaltet am 3. November eine lange Wahlnacht mit Filmen, Diskussionen und einer Liveschalte zu Tübingens Partnerstadt Ann Arbor im Michigan-State. Aufgrund der aktuellen Coronalage findet die Veranstaltung digital statt, heißt es auf dere Homepage.

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