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Toni Babic aus Nagold gehörte mal zu den Ultras. Es gab für den 36-Jährigen nichts Wichtigeres als den Fussball. Der stand über allem, drohte sogar seine Familie zu zerstören. Dann kam die Bekehrung. Am Pfingstsamstag wird er zum Diakon geweiht.

Für Toni Babic aus Nagold (Kreis Calw) gab es bis 2012 nichts Größeres und Wichtigeres als den VfB Stuttgart. Er war in der Ultra-Szene aktiv. Sein damaliger Gott, der Fussball, stand über allem und drohte seine Familie zu zerstören.

"Man sieht den Verein als etwas Absolutes an. Das ist was, womit man sich identifizieren kann. Jeder Fan, der da aus derselben Szene kommt, sieht man als Familienmitglied an. Man sieht sich als eine große Familie".

Seine Ehefrau und seine beiden Kinder mussten sehr darunter leiden. Außerdem trank der Familienvater viel Alkohol. Seine Ehe stand vor dem Aus, erzählt Nadja Babic.

"Dann hat er natürlich oft gesagt, mein Verein lebt ewig, eine Liebe zu der Frau nicht, wenn es dir nicht passt, dann kannst du gerne gehen. Also wäre dieser Wandel zu Jesus nicht passiert, glaube ich nicht, dass wir heute noch verheiratet wären".

Toni Babic gerät in eine Krise: im Job und in der Ehe. Im Internet stößt er auf ein Buch – über eine Höllen-Vision. 2012 war das, da hatte er auf einmal selbst das Gefühl, in einer Hölle zu stecken. Es machte Klick, sagt er. Der Drang war da: Ich muss mein Leben ändern.

"Das ist ein Geschenk, dass ich nochmal diese Chance bekomme und nicht, dass Gott einen verstößt, nur weil man mal auf dem falschen Weg gegangen ist. Nein, er wartet und freut sich, dass man zurückkehrt zu ihm".

Zweite Chance ergriffen

Der 36-Jährige ist katholisch erzogen worden. Fußball und Party waren ihm aber wichtiger als Glaube und Kirche. Heute fühlt er sich berufen, von seinem Lebenswandel, seiner zweiten Chance wie er sagt, zu erzählen und für andere da zu sein. Seine Frau brachte ihn auf die Idee, Diakon zu werden. Sieben Jahre Ausbildung liegen hinter ihm mit Theologie-Studium, Prüfungen und Wochenend-Kursen – alles neben dem Schichtdienst und Familienalltag. Es hat ihn viel Zeit und Kraft gekostet, dass er in Zukunft als Diakon aushelfen darf – zum Beispiel bei Taufen oder Hochzeiten.


"Es war nicht einfach, ja. Aber es hat mit einem etwas gemacht, man hat sich verändert, man hat viel gelernt und ich weiß, ich tu das ja nicht für mich, sondern ich tu das für den Herrn. Und da steckt auch eine Aufgabe dahinter, auch eine Verantwortung".

Bald darf er offiziell Verantwortung übernehmen. Am Pfingstsamstag wird er zum Diakon geweiht. Auch seine Familie ist ihm wieder wichtig geworden. Seine Frau gerät ins Schwärmen: Toni ist der Partner, den man sich nur wünschen kann. Sie könne sich blind auf ihn verlassen, so Nadja Babic.

Seine Leidenschaft für den Sport bringt er mittlerweile mit seiner Familie auf den Platz, nicht mehr fanatisch, sondern spielerisch. Toni Babic ist mit sich im Reinen:

"Nach dem Guten zu suchen, hat Einfluss. Meiner Frau geht es besser. Mir selber geht es besser. Unseren Kindern geht es besser. Meiner Familie geht es besser. Ja, ich kann Gutes tun. Auch für die Gesellschaft".

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