Bewohner einer Senioreneinrichtung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Matthias Bein/dpa-Zentralbild/ZB)

Heimbewohner in den Kreisen Rottweil, Tübingen und Reutlingen überwiegend geimpft

Weniger Corona-Infektionen und Todesfälle in Pflegeheimen während vierter Welle

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Trotz hoher Inzidenzzahlen sind die Corona-Ausbrüche in den Pflegeheimen während der vierten Welle deutlich seltener geworden. Dies ergab eine Umfrage bei Landratsämtern und Heimen.

Im Vergleich zu den ersten drei Corona-Wellen haben die Gesundheitsämter weniger Covid19-Fälle in den Pflegeheimen in der Region registriert. Auch die Zahl der Todesfälle ist zurückgegangen.

Höhere Impfquote, mehr Tests

Gründe hierfür könnten die Impfungen und ein erhöhtes Testaufkommen in den Heimen sein. Laut Alexandra Heizereder, Sprecherin der Evangelischen Heimstiftung, wird die Testkapazität derzeit maximal ausgeschöpft. In rund 90 Heimen, die die Stiftung in Baden-Württemberg betreibt, würden alle Mitarbeitenden vor Dienstantritt sowie alle Besucherinnen und Besucher, die das Heim betreten, stets getestet.

Innerhalb einer Woche haben sich die Corona-Fälle in den Einrichtungen der Evangelischen Heimstiftung außerdem fast halbiert. Wurden letzte Woche noch 20 Neuinfektionen festgestellt, lag die Zahl diese Woche bei zwölf Infektionen in sechs der 90 Einrichtungen. In den Heimen der Region sind derzeit keine Corona-Fälle bekannt. Allerdings habe man in der vergangenen Zeit auch festgestellt, dass sich die Inzidenzen außerhalb der Heime meist erst nach 14 Tagen in den Einrichtungen niederschlagen, gibt Heinzereder zu bedenken.

Trotz hoher Inzidenz kaum Infektionen

Die positive Entwicklung in den Pflegeheimen bestätigt auch Thomas Feeger, der Ordnungsamtsleiter im Kreis Rottweil. Von November vergangenen Jahres bis heute sind 44 Neuinfektionen und neun Todesfälle vom Kreis-Gesundheitsamt erfasst worden. Rund achtmal so viele Infektionen und 104 Todesfälle seien in den ersten drei Wellen verzeichnet worden. Und das bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von rund 800 während der vierten Welle - der höchste erfasste Stand im Kreis Rottweil seit Pandemiebeginn. In den vorangegangenen Wellen wurde die höchste Inzidenz von rund 400 Fällen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner kurz vor Weihnachten 2020 erreicht.

Aufgefallen ist dem Ordnungsamtsleiter im Kreis Rottweil außerdem, dass sich die Corona-Ausbrüche stets in den Pflegeeinrichtungen ereigneten, in denen die Impfungen der Bewohner schon rund drei Monate zurücklagen, auch wenn sie bereits geboostert waren.

Eventuell Heimbewohner im Kreis Rottweil mit Omikron infiziert

Ob es sich bei den wenigen Corona-Fällen in den Heimen der Region derzeit um Omikronfälle handelt, ist schwer herauszufinden. Durch die Antigen-Schnelltests lässt sich nur aufdecken, ob eine Infektion vorliegt, nicht welche Variante. Bisher sind zudem nicht alle Schnelltests geeignet, überhaupt eine Infektion mit Omikron zu entdecken. Feeger äußerte dennoch den Verdacht, dass sich Bewohner in einem Heim im Kreis Rottweil mit der Omikron-Variante angesteckt haben könnten. Eine Überprüfung des Gesundheitsamts läuft momentan. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müsste das Haus unter Quarantäne gestellt werden.

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Ein ähnliches Bild zeichnet sich in den Kreisen Reutlingen und Tübingen ab. In zwei Pflegehäusern der Samariterstiftung waren dort beispielsweise während der vierten Welle der Corona-Pandemie einige wenige Bewohnerinnen und Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden. Allerdings sei die vierte Welle nicht mit den vorangegangenen Corona-Wellen vergleichbar.

"Die Verläufe sind inzwischen meist wesentlich schwächer. Manche Bewohnerinnen und Bewohner, vor allem mit Booster-Impfungen, waren sogar völlig symptomfrei"

Inzwischen gibt es keine Corona-Infektionen mehr in den Einrichtungen der Samariterstiftung in der Region Neckar-Alb. Insgesamt betreut die Stiftung mehr als 60 Einrichtungen an über 30 Standorten in Baden-Württemberg.

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