Erste Bilanz mit Blick auf die Mülleimer

Weniger Müll: vier Wochen Tübinger Verpackungssteuer

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Die Umwelt schonen und Kosten sparen: Seit vier Wochen erhebt Tübingen als erste Kommune in Deutschland eine Verpackungssteuer für Pappbecher und To-Go-Essen. Es scheint zu klappen.

Rund 31 Tonnen Abfall hat die Stadt Tübingen im Januar entsorgt. Das seien zwischen fünf und 15 Prozent weniger als in den Vorjahren, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Zum Vergleich: Im Januar 2018 waren es über 36 Tonnen, im Januar 2019 über 32 Tonnen. Lediglich 2021 war das Müllaufkommen mit rund 24 Tonnen deutlich geringer, aber damals war man im zweiten Corona-Lockdown, bei dem die Gastronomie geschlossen war.

Weniger Pappbecher und Pizzaschachteln

Der Plan von Stadtverwaltung und Gemeinderat, die Müllmengen durch die Verpackungssteuer von vornherein zu verringern, scheint also aufzugehen.

"Insbesondere in der Innenstadt sind manche Mülleimer sichtbar leerer als früher, weil weniger Einwegverpackungen wie Pappbecher, Pommesschalen und Pizzakartons verwendet und weggeworfen werden".

Tatsächlich ergab eine Testspaziergang des SWR durch die Stadt, dass so gut wie gar kein Müll auf den Straßen liegt und keine Verpackungen die Mülleimer verstopfen, wie es sonst - vor allem um die Mittagszeit - häufig zu sehen war. Die Gehwege in der verwinkelten Innenstadt sind sauber, die großen Treppen an der Stiftskirche wie geschleckt, obwohl dort immer viele Menschen unterwegs sind. Die haben jetzt häufig eine Mehrwegschüssel aus Pfandsystemen oder gleich die eigene Schale dabei.

Im Audio hören Sie aktuelle Meinungen aus der Stadt:

Auch andere Kommunen setzen auf Mehrweg

Die Stadt Heilbronn möchte ebenfalls weniger Wegwerfgeschirr in den öffentlichen Mülltonnen und unterstützt daher die Anbieter von Speisen und Getränken zum Mitnehmen mit einem Zuschuss. Im Hohenlohekreis gibt es seit dem Spätsommer ein Mehrwegsystem und in Freiburg neuerdings gleich ein ganzes Mehrweg-Sortiment:

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Wärmere Monate stehen noch aus

Ob die Verpackungssteuer in Tübingen allerdings längerfristig greift und das ganze Jahr über deutlich weniger Müll anfällt, wird sich erst in einigen Monaten zeigen. Denn momentan kämen deutlich weniger Menschen in die Stadt, um dort zu essen, sagen Anwohner. Spannend also dürfte die Frage nach dem Tübinger Müll im Sommer werden. Dann nämlich zieht es viele in die Altstadt und abends wird gerne gefeiert - mit Dönerbox, Pizzen und Getränken To-Go.

20 bis 50 Cent für nicht wieder verwertbare Verpackung

Wer in Tübingen Essen oder ein Getränk zum Mitnehmen kauft, zahlt seit dem ersten Januar Verpackungssteuer, egal ob die Verpackung aus Plastik, Karton oder Alufolie ist. Denn die Entsorgung kostet die Stadt jedes Jahr viel Geld und umweltschädlich sind die vielen Verpackungen sowieso. Verpackung und Geschirr werden mit jeweils 50 Cent besteuert, Einmal-Besteck mit 20 Cent. Zahlen müssen unter anderem Bäckereien, Metzgereien, Imbissläden, Cafés oder Tankstellen.

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