PreisträgerInnen Hans Bausch Mediapreis 2022 (Foto: SWR, Peter Binder)

Preisgekrönte Studie: Fakten und Fake News im Netz können viele nicht unterscheiden

Verleihung Hans Bausch Mediapreis des SWR in Tübingen zu Medienkompetenz

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Die Macher der Studie "Quelle: Internet?" haben erforscht, wie kompetent wir falsche Infos im Internet erkennen und Quellen bewerten können. Dafür hat der SWR ihnen einen Preis verliehen.

Der Hans Bausch Mediapreis des SWR ging in diesem Jahr an Anna-Katharina Meßmer, Leonie Schulz und Alexander Sängerlaub. Ihre Studie ist weltweit eine der ersten zum Thema Medienkompetenz, die sich bei Erwachsenen nicht auf Selbstauskünfte verlassen hat. Und ihre Erkenntnisse sind beunruhigend.

Nachholbedarf bei Medienkompetenz

Die Probanden schnitten überwiegend mittelmäßig bis schlecht ab, in fast allen Bereichen. Wir Deutschen haben in Sachen Medienkompetenz im Internet viel Nachholbedarf. Über 4.000 Menschen aller Alters- und Bildungsstufen haben die drei Forschenden einen Test ausfüllen lassen.

Quellen beurteilen, Fakten checken

Bei dem Test (an dem man im Internet noch die eigene Medienkompetenz erproben kann) ging es unter anderem um die Fähigkeiten, sich auf Nachrichtenseiten und in Sozialen Medien zurechtzufinden, Quellen zu beurteilen und Fakten zu checken. Nur knapp die Hälfte der Teilnehmenden hat die Prüfung bestanden, nur gut jeder Fünfte hat sich als sehr kompetent erwiesen.

Alexander Sängerlaub im Porträt.  (Foto: Andrej Russkovski)
Preisträger Alexander Sängerlaub. © Andrej Russkovskil Andrej Russkovski

Das ist nicht die Schuld der Bürgerinnen und Bürger, betont der Kommunikationswissenschaftler Alexander Sängerlaub. Wie die Jungfrau zum Kinde seien viele zu den Apps auf ihrem Smartphone gekommen, ohne viel darüber zu wissen, wie diese neuen Medienwirklichkeiten funktionieren.

Desinformation als Gefahr für die Gesellschaft

Die Soziologin Anna-Katharina Meßmer betont, dass es gefährlich werden kann, wenn Menschen auch fragwürdigen Facebook- oder Instagram-Quellen mehr Vertrauen schenken als gut recherchierten Artikeln von ausgebildeten Journalisten.

Anna-Katharina Meßmer im Porträt.  (Foto: Sebastian Heise)
Preisträgerin Anna-Katharina Meßmer. © Sebastian Heise Sebastian Heise

In der Corona-Pandemie habe man gesehen, wie Fehlinformationen eine Gesellschaft destabilisieren und polarisieren können. Gleichzeitig sei es auch ein Problem für die einzelne Person, wenn sie nicht mehr beurteilen könne, welche Informationen beispielsweise über Impfungen verlässlich sind - und welche nicht.

Unwissenheit und Misstrauen

Eine Erkenntnis der Forschenden ist auch: Wer dazu neigt, Fehlinformationen im Netz aufzusitzen, traut meist auch der Demokratie und unabhängigem Journalismus nicht über den Weg.

Leonie Schulz im Porträt.  (Foto: Urban Ruths)
Preisträgerin Leonie Schulz. © Urban Ruths Urban Ruths

Ein Viertel der Bevölkerung, so die Kommunikationswissenschaftlerin Leonie Schulz, hegt ein starkes Misstrauen und teilt Lügenpresse-Vorwürfe. Nur die Hälfte der Befragten wusste, dass Nachrichten über einen Bundesminister ohne Genehmigung des Ministeriums veröffentlicht werden dürfen.

Größtes Vertrauen in regionale Medien

Dennoch genießen regionale Tageszeitungen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk das höchste Vertrauen bei den in der Studie Befragten. Anna-Katharina Meßmer hat eine mögliche Begründung dafür: Bei regionalen Medien deckt sich das, was man persönlich erlebt, mit dem, was man in der Zeitung liest oder im Radio hört.

Schließung von Lokalredaktionen schadet

Dieses Vertrauen kann das Vertrauen zum gesamten Medium stärken. Meßmer sieht es mit Sorge, wenn Verlage gerade in diesem Bereich Einsparungen vornehmen.

Die Preisträger-Studie des Hans Bausch Mediapreises zeigt nicht nur Mängel in der Nachrichtenkompetenz auf, sie bietet auch Lösungsvorschläge. Dazu gehören mehr digitale Bildungsangebote, nicht nur in der Schule, auch für Erwachsene aller Altersstufen.

Plattformen in der Pflicht

Außerdem, so die Hans-Bausch-Preisträger, sei es richtig, wenn Internet-Plattformen künftig verpflichtet werden, etwa Werbung oder Fakenews besser zu kennzeichnen.

Hausaufgaben für den SWR

SWR-Intendant Kai Gniffke, Mitglied der Jury des Hans Bausch Mediapreises, leitet aus den Ergebnissen der Studie auch konkrete Aufgaben für den Südwestrundfunk ab:

"Nach der Lektüre dieser Studie ist mir noch klarer, wie wichtig es für uns ist, dass wir Informationen so aufbereiten, dass Menschen wirklich eine faire Chance haben, sie auch wirklich zu verstehen. Wir brauchen eine ganz transparente Berichterstattung, um unseren Beitrag auch zur Demokratie und zu einer solidarischen Gesellschaft zu leisten."

Der Hans Bausch Mediapreis

Der Hans Bausch Mediapreis ist mit 5.000 Euro dortiert. Er wird jährlich für eine exzellente Forschungsarbeit auf dem Gebiet der aktuellen Medienentwicklung verliehen. Bei der Verleihung des Preises arbeitet der SWR eng mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen zusammen.

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