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In der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen soll es in den vergangenen zehn Jahren zu sexuellen Grenzverletzungen und zu emotionalem Missbrauch gekommen sein. Das geht aus einem Schreiben des Dekanats hervor, das dem SWR vorliegt.

Die Universität Tübingen will mögliche Vorfälle in der katholischen Fakultät so schnell wie möglich aufklären. Die Fakultät hatte Hinweise erhalten, dass es dort in den vergangenen Jahren zu sexuellen Übergriffen und Missbrauch gekommen sein könnte. In einem Brief hatte sich die katholische Fakultät an Angehörige und Ehemalige gewandt. Seit zwei Wochen seien die Vorwürfe wegen "unangemessenen Verhaltens" bekannt, so die Universität. Wie viele Personen betroffen seien oder beschuldigt würden, sei noch nicht klar.

Geschehen soll aufgearbeitet werden

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, will die Fakultät weitere Belästigungen unterbinden, betroffene Personen unterstützen und das Geschehen aufarbeiten. Bei einem Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen würden Polizei und Staatsanwaltschaft sofort eingeschaltet. Fakultät und Uni seien an einer schnellen und vollen Aufklärung interessiert, wie lange das dauern könnte, dazu kann die Uni Tübingen noch nichts sagen.

Bischofskonferenz - Kreuz und Schatten (Foto: dpa Bildfunk, Harald Tittel)
Vorwurf sexueller Mißbrauch: Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen will schnell aufklären. Harald Tittel

Angesprochen werden in dem Rundbrief aber nicht nur mögliche Opfer, sondern auch mögliche Beschuldigte. Auch sie sind aufgefordert sich zu melden, um die Vorwürfe aufzuklären, heißt es weiter.

Dekanat warnt Täter

"Wir warnen sie oder ihn eindringlich davor, ehemaligen KommilitonInnen oder ehemalige KollegInnen auf diese E-Mail hin anzusprechen oder sie gar unter Druck zu setzen. Wir würden dies als einen Tatbestand der Nötigung interpretieren."

Dekanat der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen

Das Dekanat bietet Betroffenen Hilfe und Beratungsgespräche an. Als Vertrauenspersonen stünden in der Katholisch-Theologischen Fakultät die Gleichstellungsbeauftragte sowie der Dekan persönlich für alle Anliegen bereit.

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