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Der Kurpfälzer Mäzen Dietmar Hopp hat den Vorstoß von US-Präsident Trump abgewehrt, sich einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus exklusiv zu sichern. Hopp ist Mehrheitseigner der Tübinger Curevac, die an einem solchen Impfstoff forscht.

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Sendedatum
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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Hopp erklärte, ein möglicher Impfstoff solle Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen und schützen können. Ebenso würde er sich verpflichtet sehen, nachhaltige, innovative Infrastruktur und Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Christoph Hettich, der Geschäftsführer von Hopps Holding, die an Curevac beteiligt ist, stellte am Sonntag klar, dass an dem Unternehmen, den Mitarbeitern und dem Hauptstandort Tübingen festgehalten werde.

Impfstoff soll der ganzen Welt helfen

"Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten", sagte Hettich dem "Mannheimer Morgen". Die Holding ist Hauptinvestor an Curevac. SAP-Mitbegründer und Mäzen Dietmar Hopp und der Unternehmer Friedrich von Bohlen gehören zu den Gründern und Geschäftsführern der Holding.

Auch Curevac selbst teilte am Sonntagnachmittag mit, man strebe keinen Exklusiv-Deal mit den USA oder einem einzelnen Land an. Spekulationen über Kaufangebote für das Unternehmen oder seine Entwicklungen wurden zurückgewiesen.

Wegen der Corona-Krise war am Wochenende eine wirtschaftspolitische Auseinandersetzung zwischen Deutschland und den USA ausgelöst worden. US-Präsident Donald Trump hatte offenbar versucht, Wissenschaftler des Tübinger Pharmaunternehmens Curevac mit hohen finanziellen Zuwendungen in die USA zu locken beziehungsweise den Impfstoff exklusiv für sein Land zu sichern. Zuerst hatte die "Welt am Sonntag" darüber berichtet. Später bestätigte zuerst das Bundesgesundheitsministerium, am Sonntagabend Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) entsprechende Pläne aus den USA.

In einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac in Tübingen (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
In einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac in Tübingen (Archivbild) picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Gemeinsame Arbeit von Curevac mit bundeseigenem Institut

Curevac arbeitet gemeinsam mit dem bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel seit Januar an der Herstellung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Es wurde im Jahr 2000 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 450 Mitarbeiter.

Förderung des Bundes zuletzt aufgestockt

Ein Sprecher des Forschungsministeriums sagte, die Förderung für die Entwicklung des Impfstoffs habe für die Bundesregierung höchste Priorität. Die finanzielle Förderung sei zuletzt stark ausgeweitet worden. So hatte der Haushaltsausschuss gerade 140 Millionen Euro für die internationale Impfinitiative Cepi freigegeben, die sechs Firmen mit der Entwicklung eines Serums gegen das Coronavirus beauftragt hat - darunter Curevac.

Die Firma hatte 2015 und 2018 auch Geld von der Bill & Melinda Gates Stiftung bekommen, um an Medikamenten gegen Malaria und Influenza zu arbeiten.

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