Heißes Öl ins Gesicht geschüttet

Landgericht Tübingen verurteilt Häftling zu über sechs Jahren Gefängnis

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Bertram Schwarz

Ein 31-jähriger Häftling hatte eine Kanne Öl stark erhitzt und dann gezielt ins Gesicht eines Rottenburger Justizangestellten geschüttet. Nun wurde er dafür verurteilt.

Im September vergangenen Jahres hatte der Häftling im Gefängnis in Rottenburg Öl auf weit über 200 Grad Celsius erhitzt und damit einen 24-jährigen Justizmitarbeiter angegriffen. Der erlitt starke Verbrennungen, musste Operationen, Haut- und Haartransplantationen ertragen und ist bis heute sichtbar gezeichnet.

So berichtete SWR Reporter Bertram Schwarz im Gespräch mit Moderatorin Andrea Schuster im SWR Studio Tübingen:

Kein Zweifel an Schuld, aber Motiv unklar

Im Tübinger Landgericht gab es nie Zweifel am Tathergang und auch nicht daran, dass der Angeklagte der Täter war. Er hatte die Attacke von Anfang an zugegeben. Doch sonst sagte er so gut wie nichts. An den beiden Verhandlungstagen war kein Motiv für den Angriff erkennbar.

Diebstähle, Gewalt, Gefängnisaufenthalte

Es offenbarte sich ein Leben, das aus Diebstählen, Gewalt und Gefängnisaufenthalten bestand, seitdem der Mann 2016 von Gambia nach Deutschland gekommen war. Er kann weder lesen noch schreiben, er verständigt sich in Deutschland mit einem auf der Straße gelernten Englisch, er hat keine Ausbildung und keine sozialen Kontakte, auch keine familiären.

Vorsitzender Richter: Voll schuldfähig

Der Verteidiger des Mannes wies auf eine mögliche verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten hin. Er wisse womöglich gar nicht, um was es gehe, sagte er vor Gericht. Das wies der Vorsitzende Richter zurück, indem er den Bundesgerichtshof zitierte, der schon einmal befunden hatte: "Auch einfach strukturierte Personen ist die Gefährlichkeit erhitzter Flüssigkeiten bekannt." Entsprechend entschied das Gericht für volle Schuldfähigkeit und eine Haftstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten.

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