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Das Landgericht Tübingen hat im Missbrauchs-Prozess um eine Familie aus dem Steinlachtal das Urteil gesprochen. Der 65-jährige Pflegevater wurde zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann seine zwei Pflegetöchter mehrfach sexuell missbraucht hat. Der Richter sprach den Pflegevater in 36 Fällen schuldig. Mit dem Strafmaß, fünf Jahre und sechs Monate Haft, folgte er dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Gerichtsurteil im Prozess  wegen sexuellen Missbrauchs (Foto: SWR, Harry Röhrle)
Urteil im Prozess wegen sexuellen Missbrauchs Harry Röhrle

Richter: Missbrauch fand statt

Es gebe keinen Zweifel, dass die Taten stattgefunden hätten, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Die Aussagen der Opfer seien glaubhaft. Die fast zweistündige Urteilsbegründung nutzte er, um auf Missstände in diesem Fall aufmerksam zu machen.

Jugendamt in der Kritik

Dabei sprach er Versäumnisse des Tübinger Jugendamtes an. Zwischen Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe und der Anzeige des Angeklagten habe das Amt zu viel Zeit verstreichen lassen. Auch sei eines der Opfer nicht auf die so wichtige erste polizeiliche Vernehmung vorbereitet worden, so der Richter.

Während des Prozesses um die Pflegefamilie wurden das Jugendamt und der zuständige Landrat heftig kritisiert. Die Behörde habe auf Hinweise einer Psychologin, die direkt Kontakt zu einem der Opfer hatte, nicht richtig reagiert, obwohl die Psychologin auf Gewalt in der Pflegefamilie hingewiesen hatte. Das Sozialministerium hatte Mitte Februar das Tübinger Regierungspräsidium aufgefordert, das Kreisjugendamt zu überprüfen. Ein Bericht ist für März angekündigt.

Psychologin fordert bessere Ausbildung

Die Tübinger Psychologin und Psychotherapeutin Ursula Gangl hat den Prozess am Tübinger Landgericht verfolgt und kennt einige solcher Fälle im ganzen Bundesgebiet. Das Problem sei, dass Jugendämter zu wenig Kontakt zu speziell ausgebildeten Trauma-Psychologen hätten. Oft würden Pädagogen eingesetzt, sowie Richter und Ärzte, die Missbrauchsopfer nicht richtig beurteilen könnten. Sie fordert eine entsprechende Ausbildung für diese Berufsgruppen.

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