Schwere Unwetter mit Hagel haben vor allem in der Region Tübingen gewütet (Foto: imago images, IMAGO / Eibner)

Straßen teilweise noch gesperrt

BW zieht Unwetter-Bilanz - Corona-Impfzentrum bleibt 14 Tage geschlossen

STAND

Am Mittwochabend haben Unwetter mit teils starkem Hagel in Baden-Württemberg gewütet. Die Aufräumarbeiten laufen mancherorts noch, einige Straßen sind weiterhin gesperrt.

Am Tag nach den teils schweren Unwettern läuft in vielen Regionen in Baden-Württemberg die Aufarbeitung der Schäden. Am Mittwochabend haben Starkregen und Hagel für überflutete Straßen und umgestürzte Bäume gesorgt. Besonders betroffen waren laut Polizei mehrere Regionen südlich von Stuttgart, es traf aber auch den Osten und Westen des Landes.

Unwetter in Tübingen. (Foto: SWR)
Die Hagelkörner in der Region Tübingen waren zum Teil mehrere Zentimeter groß.

Straßen in Tübingen und Umgebung überflutet, Menschen verletzt

In Tübingen kamen bis zu drei Zentimeter dicke Hagelkörner und Starkregen aus den Gewitterwolken. Straßen in der Innenstadt waren überflutet, die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Minutenlang prasselten Hagelkörner und Eis auf Tübingen und Umgebung. Dadurch wurden Autodächer beschädigt. In Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) stand eine komplette Straßenkreuzung unter Wasser.

Menschen befreien Straßen in Tübingen vom Hagel. (Foto: Pressefotograf Dennis Duddek)
Viele Menschen befreien Gassen und Wege in der Tübinger Altstandt vom Hagel. Pressefotograf Dennis Duddek Bild in Detailansicht öffnen
Vor dem Tübinger Impfzentrum Hagel und Wassermassen, die auch die Paul-Horn-Arena überfluteten. Paul Jens Bild in Detailansicht öffnen
Das Tübinger Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena stand am Mittwochabend voll unter Wasser. Bild in Detailansicht öffnen
Nach der Überschwemmung musste das Tübinger Impfzentrum geschlossen werden. Pressefotograf Dennis Duddek Bild in Detailansicht öffnen
Das Wasser ist schon abgepumpt und die Aufräumarbeiten sind in der Paul-Horn-Arena in vollem Gange. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Wasser- und Hagelkörner sammeln sich zu einem großen See in einem Wohngebiet in Tübingen. Bild in Detailansicht öffnen
Viele Straßen in Tübingen waren nach dem Unwetter von Hagelkörnern bedeckt und weiß wie im Winter. Andrea Schuster Bild in Detailansicht öffnen
Sie sehen harmlos aus, diese Hagelkörner: Sie haben aber eine enorme Zerstörnungskraft. Bild in Detailansicht öffnen
Bei dem Unwetter mit Starkregen und Hagel sind auch Felder im Kreis Tübingen in Mitleidenschaft gezogen worden. Dieses Maisfeld in Tübingen-Weilheim wurde stark verwüstet. Anette Hübsch Bild in Detailansicht öffnen
Zerstörte Getreidefelder nach Hagel-Unwetter in Kirchentellinsfurt im Kreis Tübingen. Roland Altenburger Bild in Detailansicht öffnen
In diesem Garten eines Hobbyzüchters in Tübingen hat auch der Hagel gewütet: Da wird wahrscheinlich nicht mehr viel weiterwachsen. Marcel Wagner Bild in Detailansicht öffnen
Auf diesem Balkon in Tübingen haben die Hagelkörner auch alles platt gedrückt und Pflanzen zerstört. Anne Schmidt Bild in Detailansicht öffnen

In der Nachbarregion Reutlingen wurden nach Angaben der Polizei fünf Menschen unter anderem bei zwei Unfällen verletzt, einige von ihnen schwer. In Kusterdingen (Kreis Tübingen) stürzte ein Mann vom Dach eines Hauses, das er vom Hagel hatte befreien wollen. Landwirte im Kreis Tübingen befürchten massive Ernteausfälle auf den betroffenen Feldern, der Mais sei oft total zerstört.

Tübingen

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Corona-Impfzentrum nach Unwetter mindestens zwei Wochen dicht

Das Tübinger Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena bleibt wegen der Unwetterschäden für zwei Wochen geschlossen. Das hat Landrat Joachim Walter (CDU) dem SWR bestätigt. Die Einrichtung des Impfzentrums sei durch das eingedrungene Regenwasser so stark beschädigt, dass es komplett abgebaut und neu aufgebaut werden müsse, so Walter weiter. Man sei mit dem Stuttgarter Sozialministerium und den umliegenden Landkreisen bereits im Gespräch, um die vergebenen Impftermine in umliegende Impfzentren zu verlegen. Laut Landrat Walter werden alle, die einen Impftermin haben, individuell benachrichtigt, wann sie wohin müssen.

Das Tübinger Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena lief aufgrund des Unwetters mit Wasser voll. (Foto: SWR)
Das Tübinger Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena lief mit Wasser voll, Impftermine sollen auf umliegende Impfzentren verlegt werden.

Pflegeheim musste evakuiert werden

In Rottenburg (Kreis Tübingen) waren nach dem Unwetter in einem Pflegeheim einige Stockwerke zunächst nicht bewohnbar, wie es von der Freiwilligen Feuerwehr hieß. Das Gebäude wurde zum Teil evakuiert, 23 Bewohnerinnen und Bewohner seien in Sicherheit gebracht worden.

Biberach steht teilweise noch unter Wasser

Auch im Osten Baden-Württembergs richteten Unwetter Schäden an. Allein im Kreis Biberach musste die Feuerwehr zu über 900 Einsätzen ausrücken. 1.400 Notrufe gingen in der Leitstelle ein. Viele Straßen im Bereich südlich von Biberach sind noch immer überflutet und nicht befahrbar. Die Leitungen des Notrufs 112 waren im Alb-Donau-Kreis und der Stadt Ulm zeitweise so stark belastet, dass es zu minutenlangen Wartezeiten kam.

"Nach wie vor gehen in der Leitstelle Notrufe ein, weil viele erst jetzt bemerken, dass während der Nacht die Keller vollgelaufen sind."

Zahlreiche Keller wurden geflutet. So auch in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis): Keller und Unterführungen und das Untergeschoss eines Einkaufzentrums standen unter Wasser. Zahleiche Straßen wurden mit Schlamm überschwemmt und sind gesperrt. Auch im südlichen Alb-Donau-Kreis ist die Feuerwehr nach Polizeiangaben noch im Einsatz.

Eine gesperrte Unterführung in Schwäbisch Gmünd (Foto: onw-images)
In Schwäbisch Gmünd sind auch noch am Donnerstag Unterführungen nach dem schweren Unwetter vom Vorabend gesperrt. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Das Wasser ist größtenteils abgelaufen, aber der Schlamm ist liegengeblieben. Mit Baggern und Lastwagen wird aufgeräumt. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Massen von Schlamm müssen auch im Einkaufszentrum nahe des Taubentals beseitigt werden. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Ein Hagelschlag hat am Mittwochabend Abtsgmünd und Schechingen im Ostalbkreis getroffen. privat Bild in Detailansicht öffnen
Schlimmer als im Winter: In Schechingen im Ostalb musste ein Radlader die zentimeterhohe Hagelschicht von den Straßen räumen. privat Bild in Detailansicht öffnen
Kein Durchkommen mehr auf der L1080 bei Abtsgmünd privat Bild in Detailansicht öffnen
Ein Auto versinkt in der Pfitzer-Unterführung. Der Fahrer konnte sich unverletzt retten. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
In überfluteten Unterführungen sind auch die Einsatzkräfte machtlos. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Das THW war mit starken Pumpen im Einsatz. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Schlimme Erinnerungen werden wach: Bei einem Unwetter im Mai 2016 kamen zwei Menschen in der Taubentalunterführung ums Leben. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Vorfahrt beim Abbiegen - das gilt hier höchstens noch für Boote. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Im Einkaufszentrum im Taubental wurde das Untergeschoss geflutet. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Der Wetzgauer Bach hat Wassermassen aus dem Taubental mitgebracht, so dass diese Parkflächen vor Einkaufsmärkten überflutet wurden. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Polizei und Ortspolizei sperrten vollgelaufene Unterführungen und überschwemmte Straßen. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Die Feuerwehr konnte laut Kreisbrandmeister Otto Feil etliche Einsatzstellen gar nicht anfahren, weil Unterführungen gesperrt waren. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Straßen wurden aufgerissen - die Höhe des Schadens kann noch nicht beziffert werden. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Die Wassermassen haben auch Schlamm und Baumteile mitgeschwemmt. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Die Fußgängerunterführung am Bahnhof ist geflutet. Der Bahnverkehr ist aber nicht betroffen. onw-images Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Unterführung in Richtung Schießtal und Lindach stand unter Wasser. onw-images Bild in Detailansicht öffnen

Feuerwehren im Dauereinsatz

Im Zollernalbkreis, im Kreis Esslingen und im Kreis Reutlingen waren nach dem Unwetter Hunderte Einsatzkräfte dabei, Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume zu sichern, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen sagte. Mehrere Straßen seien vom Starkregen überflutet worden. So war etwa eine Straße bei Kirchheim unter Teck im Kreis Esslingen komplett mit Hagel bedeckt. Die Feuerwehren waren auch dort im Dauereinsatz. Am Flughafen Stuttgart wurde der Flugbetrieb mehrfach eingestellt.

Hagelkörner liegen in der Ortsdurchfahrt in KirchheimTeck. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/VMD-Images | Simon Adomat)
Hagelkörner liegen in der Ortsdurchfahrt in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen). picture alliance/dpa/VMD-Images | Simon Adomat

Die Bundesstraße 28 auf Höhe des Reutlinger Stadtteils Betzingen wurde teilweise überflutet und mit Hagel übersät, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Im Stadtteil Mittelstadt sei zudem ein Baum in eine Stromleitung gestürzt und habe die Stromversorgung des Teilorts gekappt, so die Sprecherin. Feuerwehr und das Technische Hilfswerk waren im Kreis Reutlingen mit rund 370 Helfern und mindestens 60 Fahrzeugen im Einsatz. Weitere Kräfte wurden angefordert. Der Notruf war zeitweise überlastet.

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Wohnungen und Keller überflutet, Gartenmöbel umgeworfen

Im Landkreis Rastatt wurden die Feuerwehren zu über 70 Einsätzen wegen vollgelaufener Keller gerufen. Besonders betroffen war die Gemeinde Hügelsheim. Dort lief Wasser in zahlreiche Wohnungen und Häuser aus der überforderten Kanalisation. In Bühl musste eine Straße wegen Überflutung gesperrt werden.

In Friedrichshafen (Bodenseekreis) wurden Anwohnerinnen und Anwohner von heftigem Regen überrascht - durch die Windböen wurden beispielsweise Gartenmöbel umgeworfen. In Konstanz maß die Höhe der Hagelschicht teils fünf Zentimeter. Die Höhe der Schäden, die das Unwetter angerichtet hat, konnte noch nicht ermittelt werden.

Bahnstrecke zwischen Freiburg und Basel zwischenzeitlich gesperrt

Wie die Bahn auf Twitter mitteilte, war die Bahnstrecke zwischen Freiburg und Basel bei Bad Krozingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) wegen des Unwetters zeitweise gesperrt. Am späten Abend wurde die Strecke wieder freigegeben, in der Folge konnte es demnach jedoch noch zu Halt- und Zugausfällen kommen.

Ein Instagram-Beitrag zeigt einen ICE, der durch einen überflutete Streckenabschnitt fährt

Unwetterwarnungen des Wetterdienstes

Der Deutsche Wetterdienst hatte im Vorfeld für Mittwochabend und die Nacht auf Donnerstag vor schweren Gewittern mit Starkregen und Hagel in Baden-Württemberg gewarnt. Durch ein Tiefdruckgebiet zieht immer noch feuchtwarme Luft aus Frankreich nach Baden-Württemberg. Dadurch war es bereits zu Beginn der Woche zu Gewittern in vielen Regionen gekommen. Starkregen sorgte vielerorts für Überflutungen. Die Meteorologen gaben für Teile Süddeutschlands auch noch keine Entwarnung. Bis in die Nacht hinein könnten schwere Gewitter vor allem über Südbaden und das Alpenvorland ziehen, warnten sie.

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