Fridi Unverpackt Laden in Reutlingen (Foto: SWR, Miriam Plappert)

Einige Geschäfte müssen schließen

Unverpackt-Läden und Faire Mode in der Krise

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Miriam Plappert

Corona und Ukraine-Krieg: Unverpacktläden und faire Bekleidungsgeschäfte in der Region kämpfen um ihre Existenz.

Wie lange Kunden in Fridis Unverpackt-Laden in Reutlingen noch Risotto-Reis, Linsen, Nudeln und Co. ins selbstmitgebrachte Einmachglas abfüllen können, ist unklar. Aufgeben möchte Inhaberin Lina Fritz noch nicht, aber ihr Unverpackt-Laden steckt in der Krise. Seit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg kommen zu wenig Kunden.

Ein bis zwei Unverpackt-Läden schließen pro Woche

Dabei lief es 2019 für ihren Laden wirklich gut, sagt Inhaberin Fritz. Etwa 150 Kunden kamen pro Tag. Mittlerweile kommen nicht mal mehr halb so viele. Damit steht Fritz nicht allein da. Nach einem Boom im Jahr 2019 schließen die Unverpackt-Läden in vielen Städten reihenweise: Deutschlandweit trifft es derzeit etwa ein bis zwei Geschäfte pro Woche, sagt Shabnam Beus, Sprecherin des Unverpackt-Verbands. Insgesamt gibt es knapp 500 Unverpackt-Läden in Deutschland.

Klimakrise rückt in den Hintergrund

Einen Grund für die ausbleibende Kundschaft sieht Beus in einem schwindenden Bewusstsein: „Es ist aus ganz vielen Köpfen diese Dringlichkeit gewichen, dass es wichtig ist, jetzt zügig etwas zu tun und zügig das Konsumverhalten zu ändern." Angesichts der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs hätten viele die Klimakrise nicht mehr so auf dem Schirm.

Das trifft nicht nur die Unverpackt-Läden. Auch Kollegen aus der Bio- und Fairtrade-Branche haben es gerade schwer, sagt Fritz. Zum Beispiel Barbara Rongen: Sie verkauft nachhaltige und faire Mode in Tübingen. Weil es sich finanziell nicht mehr lohnt, wird sie ihr Geschäft Ende Juli schließen. Die Corona-Politik und der Ukraine-Krieg seien die Hauptgründe, sagt Rongen.

Kein Geld für Nachhaltigkeit?

Viele Kunden würden angesichts der Inflation und des Ukraine-Kriegs sparen, sagt Rongen. So geht es auch einer Kundin, die gerade ein T-Shirt und eine Cap gekauft hat. Sie achte zwar weiter auf Fair-Trade, müsse jetzt aber auch aufs Geld gucken.

„Natürlich dreh ich jetzt den Euro noch mal mehr um als vor einem halben Jahr.“

Inhaberin Rongen hofft, das sie all die nachhaltigen T-Shirts, Hosen, Schuhe und Taschen, die gerade noch im Laden stehen, bis Ende des Monats verkaufen kann. Deshalb gibt es jetzt auch hohe Rabatte.

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