Seenotrettung Ulonska (Foto: Pressestelle, Friedhold Ulonska)

Tag der Seenotretter am 31. Juli

Friedhold Ulonska ist immer wieder zur Rettung von Flüchtlingen im Einsatz

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Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat den 31. Juli als Tag der Seenotretter ausgerufen. Ein Tag, der für den Kapitän aus Rottenburg besondere Bedeutung hat.

Zum einen unterstützt Ulonska als Seemann, der Nordseeküste stammt, seit langem die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Zum anderen ist er seit sechs Jahren immer wieder als Seenotretter mit Schiffen privater Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer unterwegs, um Menschen in Seenot zu helfen.

Seenotrettung Ulonska (Foto: Pressestelle, Friedhold Ulonska)
Retter nähern sich im Juli 2022 einem kleinen Boot mit Flüchtenden. Pressestelle Friedhold Ulonska

Gestern hat Außenministerin Baerbock gefordert, dass auch an den Außengrenzen der EU europäische Werte gelten sollen. Sonst gingen die im Mittelmeer mit den Geflüchteten unter. Sie will eine europäische Seenotrettung. Doch Ulonska ist skeptisch. 2016 habe er gedacht, er mache das einen Sommer lang, dann brauche man die Seenotretter nicht mehr. Denn das Außenministerium wolle weiterhin die libysche Küstenwache unterstützen, die berüchtigt dafür sei, mit Flüchtenden nicht zimperlich umzugehen. Sie würden sie in die libyschen Folterlager zurückbringen, aus denen sie geflohen seien, so Ulonska.

Derzeit ist die Lage auf dem Mittelmeer ruhig

Zurzeit gebe es auf dem Mittelmeer eine selbst für den Sommer außergewöhnlich ruhige Wetterlage, berichtet Ulonska. Das führe dazu, dass sehr, sehr viele Menschen sich über das Mittelmeer aufmachen. Allein in den vergangenen zwölf Tagen seien mehr als 4.000 Menschen unterwegs gewesen, in aller Regel mit sehr kleinen, völlig überfüllten Booten. Da reiche eine Kleinigkeit, eine Welle, einmal paar Leute, die sich zu schnell auf eine Seite setzen, und so ein Boot kentere oder sinke. Ulonska zufolge ist diese Gefahr generell gegeben, auch bei sehr ruhigem Wetter bei glatter See. Dennoch ist seines Wissen nach in den vergangenen zwei Wochen niemand ertrunken. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind aber in diesem Jahr bereits 800 Menschen ertrunken oder werden vermisst, die versuchten, von den Küsten Nordafrikas in die EU zu gelangen.

Seenotrettung Ulonska (Foto: Pressestelle, Friedhold Ulonska)
Rettung in der Nacht im Mai 2022 von einem völlig überfüllten Holzboot, zusammen mit einem Schiff der spanischen Hilfsorganisation „Open Arms“. Pressestelle Friedhold Ulonska

Nächtliche Rettungsaktion

Trotz der derzeit ruhigen Lage ist Ulonska aber nicht gelassen. Er weiß, dass ein kleine Wetteränderung reicht, und es sieht wieder anders aus. . Im Mai sei bei einer Rettungsaktion nachts ein Boot in einer Welle gekentert, das mit 110 Menschen besetzt war. Die Retter mussten alles aufbieten, um sie vor dem Ertrinken zu retten. Das sei Gottseidank auch gelungen, so Ulonska. Aber so ein Unglück könne sehr schnell gehen.  Deshalb bereitet sich der Kapitän aus Rotenburg auch schon auf seinen nächsten Einsatz vor, der voraussichtlich im Oktober sein wird.

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