Antibiotika töten auch nützliche Bakterien

Wissenschaftler aus Tübingen und Heidelberg erforschen Mittel gegen Nebenwirkungen von Antibiotika

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Forscherinnen und Forscher aus Tübingen und Heidelberg untersuchen einen neuen Ansatz gegen Nebenwirkungen von Antibiotika. Sie wollen herausfinden, wie sich die Medikamente auf die Darmflora auswirken.

Antibiotika haben auch Nebenwirkungen

Antibiotika helfen bei der Behandlung bakterieller Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Sie können aber auch die nützlichen Mikroben und Bakterien im Darm schädigen oder abtöten, sagte Forschungsleiterin Lisa Maier im SWR. Häufige Nebenwirkungen von Antibiotika sind beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden. Es können sich aber auch allergische oder entzündliche Krankheiten entwickeln.

Forschungsleiterin Lisa Maier arbeitet an einer Anaerobierkammer (Foto: Leon Kokkoliadis)
Forschungsleiterin Lisa Maier arbeitet an einer Anaerobierkammer Leon Kokkoliadis

Antiobiotika töten nützliche Bakterien ab

Bislang wurden die negativen Auswirkungen von Antibiotika auf die große Vielfalt von Mikroben im menschlichen Darm nicht systematisch untersucht, vor allem wegen technischer Herausforderungen. Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam hat die Tübinger Forscherin die Auswirkungen von rund 140 Antibiotika auf die häufigsten Darmbakterien untersucht. Das Ergebnis: zwei häufig verwendete Antibiotikafamilien stoppen nicht nur das Wachstum der Darmbakterien, sondern führen zu deren Absterben. Eine Überraschung für die Forscher, denn bisher ging man davon aus, dass diese Antibiotika nur das Bakterienwachstum stoppen, die Bakterien aber nicht abtöten.

Ein internationales Forschungsteam untersucht die schädlichen Auswirkungen von Antibiotika auf nützliche Darmbakterien. (Foto: Leon Kokkoliadis)
Ein internationales Forschungsteam untersucht die schädlichen Auswirkungen von Antibiotika. Leon Kokkoliadis

Weitere Forschungen sind notwendig

Um die Darmflora zu schützen, haben die Forschenden in Versuchen mit Mäusen zusätzlich zum Antibiotikum ein Gegenmittel verabreicht. Dabei kombinierten die Forschenden zwei Antibiotika mit fast 1.200 Arzneimitteln. Sie wollten Medikamente finden, die zwei häufig vorkommende Darmbakterienarten vor dem Antibiotikum schützen, ohne dessen Wirkung zu beeinträchtigen. Und tatsächlich fanden sie mehrere Arzneimittel, die diese Darmbakterien und verwandte Arten retten könnten. Künftig könnten diese Mittel eingesetzt werden, um die Nebenwirkungen von Antibiotika zu verringern. Dazu sind nach Angaben der Wissenschaftler aber weitere Versuche nötig, um optimale Kombinationen, Dosierungen und Rezepturen herauszufinden.

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