STAND

Grundschulen und Kitas müssen wegen hoher Infektionszahlen geschlossen bleiben. Tübinger Schulleiter und Elternvertreter können diese Entscheidung der Landesregierung nachvollziehen. Es gibt aber auch Kritik.

Eine "blinde Öffnung" wie von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vorgeschlagen, wäre unverantwortlich gewesen, sagte die Vorsitzende des Kitabündnisses im Kreis Tübingen Bettina Ahrens-Diez. Das hätte die aktuelle Corona-Lage nicht hergegeben.

Vorwurf: Kultusministerium hat geschlafen

Ähnlich sieht es die geschäftsführende Rektorin für die Grundschulen in Tübingen, Angela Keppel-Allgaier. Sie kann die Schließungen zwar nachvollziehen, ist aber verärgert, dass es das Kultusministerium in den vergangenen zehn Monaten nicht geschafft habe, auch für Grundschulkinder Konzepte für stundenweisen Online-Unterricht auszuarbeiten.

Nachfrage nach Notbetreuung wird steigen

Nun würden die Grundschullehrer für jeden einzelnen Schüler Lernpakete mit Übungsblättern zusammenstellen. Dabei hätte man das Material den Eltern auch online zur Verfügung stellen können. Weil nicht alle Kinder zu Hause beim Lernen begleitet werden können, rechnet Keppel-Allgaier ab nächster Woche mit einer stärkeren Nachfrage in der Schulkindbetreuung.

Erzieher Infektionsrisiko ausgesetzt

Auch in den Kitas wird die Nachfrage nach Notbetreuungsplätzen zunehmen, vermutet Benjamin Stein, Vorsitzender des Verdi-Bezirks Fils-Neckar-Alb. Schon jetzt würden wegen geringerer Hürden deutlich mehr Eltern ihre Kinder in die Kitas schicken als beim ersten Lockdown im Frühjahr. Das bedeute, dass die Erzieher auch einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt seien.

Langfristiges Konzept vermisst

Das sieht auch die Vorsitzende des Gesamtelternbeirates der Tübinger Kinderbetreuungseinrichtungen Anne Henchen so. Sie hat zwar damit gerechnet, dass es bei einer Schließung bleiben wird, vermisst aber von der Politik nach wie vor langfristige Konzepte, wie eine Öffnung aussehen kann.

Mehr zum Thema

Reaktionen auf Entscheidung der Landesregierung Geschlossene Schulen und Kitas - die Erleichterung bei Gewerkschaften und Opposition ist groß

Jetzt steht es fest: Schulen und Kitas in Baden-Württemberg bleiben vorerst zu. Das haben Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann verkündet. Gewerkschaften und Opposition zeigen sich zufrieden mit dem Beschluss.  mehr...

Baden-Württemberg

Landesregierung bei Entscheidung uneins Grundschulen und Kitas bleiben in Baden-Württemberg zu - Eisenmann nicht zufrieden

Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann lassen Kitas und Grundschulen erst einmal geschlossen. Einig waren sie sich bei dieser Entscheidung aber offenbar nicht.  mehr...

STAND
AUTOR/IN