STAND

Die allgemeine Zufriedenheit von Kindern mit ihrem Leben hat im vergangenen Jahr stark nachgelassen, so eine Tübinger Studie. Eltern hätten aber Möglichkeiten, entgegenzuwirken.

Schon im ersten Lockdown haben Tübinger Wissenschaftler um den Kindheitsforscher Sascha Neumann eine Studie über die Lebenszufriedenheit von Kindern angefangen. Die Trends, die sie da schon beobachten mussten, haben sich inzwischen verfestigt, so Neumann.

Prof. Dr. Sascha Neumann, Sozilapädagoge (Foto: SWR, Peter Binder)
Prof. Dr. Sascha Neumann, Professor für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Sozialpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen. Peter Binder

Die Wissenschaftler hatten nicht die Eltern befragt, sondern direkt die Kinder, und zwar online. Insgesamt waren es mehr als 3.000 Kinder in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz. Bereits im vergangenen Jahr sei die Lebenszufriedenheit der 6- bis 16-Jährigen von zuvor über 90 Prozent auf nur noch knapp über 50 Prozent gesunken, erklärt Neumann. In Deutschland sei der Rückgang deutlicher ausgefallen als in der Schweiz oder Luxemburg.

Elternhaus, Homeschooling und Freizeit

Zu den untersuchten Aspekten der Lebenszufriedenheit gehörten demnach die Zufriedenheit mit dem Elternhaus, die Stimmung im Elternhaus, die Zufriedenheit mit dem Kontakt zu Freunden oder Verwandten, die Zufriedenheit mit der Schule oder mit dem Homeschooling, und auch die Zufriedenheit mit der eigenen Freizeit.

Angst vor Erkrankung

Viele Kinder und Jugendliche sagten, sie hätten Angst vor der Zukunft. Angst, in der Schule schlechter zu werden, aber auch Angst, an Covid-19 zu erkranken. Dazu gehörten die Angst vor einer eigenen Erkrankung, oder dass Freunde und Familienangehörige Covid-19 bekommen könnten und auch die Angst vor eigenen psychischen Erkrankungen wegen der sozialen Isolation, Langeweile und Einsamkeit.

Kind im Homeschooling (Foto: dpa Bildfunk, Ulrich Perrey)
Einsam am Laptop statt gemeinsam im Klassenzimmer. Ulrich Perrey

Bezugsperson Lehrer verloren

Besonders für Grundschulkinder seien die Schulschließungen gravierend gewesen. Sie mussten gerade in einer Zeit, in der sich alles wandelt und ändert, auf die Bezugsperson Klassenlehrerin oder Klassenlehrer verzichten. Außerdem fiel für sie und auch Ältere die Möglichkeit weg, neue Freundschaften zu knüpfen, vorhandene Freundschaften gingen in die Brüche.

Ein Jahr ohne neue Konzepte

Professor Neumann bedauert besonders, dass es nicht gelungen sei, innerhalb eines ganzen Jahres andere Konzepte zu finden als Schulen dicht zu machen. Er geht davon aus, dass man mit Tests, Hygiene und kleineren Klassen versuchen könnte, Schulschließungen zu vermeiden.

Der Kindheitsforscher Neumann hat aber auch eine ermutigende Botschaft: Eltern könnten das Wohlbefinden ihrer Kinder in der Pandemie beeinflussen. Ganz zentral sei eines: das Zuhören. Es sei jetzt besonders wichtig, Ängste und Sorgen von Kindern ernst zu nehmen. Auch wenn Kinder sich darüber beklagen, dass sie jetzt bestimmte Kontakte nicht haben dürfen, dass Freizeitangebote nicht möglich sind, sollten Eltern das nicht einfach abtun, sondern darauf reagieren.

Erklären und ermutigen

Auch könne man versuchen, ihnen politische Entscheidungen in der Pandemie zu erklären. Wichtig sei ebenfalls, die Kinder und Jugendlichen zu ermutigen, soziale Kontakte, die sie haben dürfen, auch wahrzunehmen. Wenn man einen Kindergeburtstag nur mit einem Gastkind feiern dürfe, könne man ihn ja dreimal feiern, mit unterschiedlichen Kindern, schlägt Neumann vor.

Corona und die Lehrer-Kind Beziehung Psychologe: "Das ist für alle eine schwere Zeit."

Home-Schooling, Distanz-Lernen oder Fern-Unterricht: In Zeiten der Corona-Pandemie sind Lehrer für die Schüler meist sehr weit weg. Diese Tatsache wirkt sich natürlich auch auf das Schüler-Lehrer-Verhältnis aus. Wir haben darüber mit dem Psychologen Markus Herbert von der Erziehungs- und Lebensberatung Bad Kreuznach gesprochen.  mehr...

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

STAND
AUTOR/IN