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"Noch im Namen des Volkes?" heißt ein Buch, das der Tübinger Professor Jörg Kinzig geschrieben hat. Das Volk fordert manchmal härtere Strafen. Jörg Kinzig bezweifelt, dass die etwas nutzen würden.

Jörg Kinzig ist Direktor des Instituts für Kriminologie an der Uni Tübingen. Lange Jahre der Forschung, sagt er, haben ihn gelehrt, die Wirkungsmacht von Strafen nicht zu überschätzen.

Die Strafen in Deutschland sind mäßig und moderat, so Kinzigs Einschätzung. Natürlich seien nicht alle Urteile sofort zu verstehen und einzusehen. Oft fehle Außenstehenden auch der konkrete Hintergrund, wie es zu einer Strafe kam. Unsere Strafjustiz funktioniere aber eigentlich recht gut.

Keine Läuterung durch harte Strafen

Rufe nach härteren Strafen kann Kinzig nicht wirklich nachvollziehen. In Amerika werde deutlich härter gestraft als bei uns. Trotzdem seien dort prozentual mehr Menschen im Gefängnis. In Skandinavien seien die Strafen milder. Dennoch fühlten sich die meisten Menschen in Skandinavien sicherer als in Amerika.

Sogenannte Rückfallstudien helfen festzustellen, welche Art von Strafe dazu führt, dass die Verurteilten ihr Verhalten ändern. Viele Menschen würden nach einem Gefängnisaufenthalt rückfällig, so Kinzig.

Prävention statt Repression

Mehr Erfolg beim Versuch, Straftaten zu verhindern, verspricht sich Kinzig von Möglichkeiten der Vorbeugung. Beispielsweise in Kindergärten und an Schulen werde heute schon viel mehr getan als früher.

Im Strafvollzug seien sehr aktive Leute tätig, die beispielsweise dafür sorgen, dass Insassen eine Ausbildung bekommen. Man spreche zwar von Resozialisierung, also Wieder-Sozialisierung, tatsächlich sei es aber so, dass manche Menschen im Gefängnis zum ersten Mal sozialisiert würden. Dabei spielten Ausbildung, Schulden, Drogenkonsum, Umgang mit Geld und der Übergang in die Freiheit eine große Rolle.

Buch zum Thema

Jörg Kinzig hat seine Thesen über Verbrechen und Strafe in einem Buch mit dem Titel "Noch im Namen des Volkes?" für die interessierte Öffentlichkeit zusammengefasst. Es hat 124 Seiten, ist im Orell Füssli Verlag erschienen und kostet 10 Euro.

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