Eine Frau schwimmt in einem Freibad-Becken (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Immer mehr Nichtschwimmer

Initiative "Schwimmen für alle Kinder" in Tübingen will helfen

STAND

See oder Freibad – Sommer ist Badezeit. Doch immer mehr Kinder können nicht richtig schwimmen. Die Initiative "Schwimmen für alle Kinder" in Tübingen will das ändern.

Am Sonntag hat die ehrenamtliche Initiative zum Sommerfest in das Tübinger Freibad eingeladen. Denn die Entwicklung ist alarmierend: Immer mehr Kinder können nicht schwimmen. Pandemiebedingt seien die Wartelisten für Schwimmkurse zurzeit besonders lang. Viele Kinder warteten bereits über sechs Monate auf einen Platz, so Manuela Sacherer, stellvertretende Vorsitzende der Initiative. Freie Plätze in Schwimmkursen sind Mangelwaren. Erst recht für Kinder mit Behinderungen wie Alice: "Ich kann Tauchen und Schwimmen und ich spring heute noch vom Dreier."

Im Tübinger Freibad stehen Kinder und Schwimmlehrer unter einem Zelt. Die Initiative Schwimmen für alle Kinder hat zum Sommerfest geladen. (Foto: SWR, Anna Priese)
Die Initiative "Schwimmen für alle Kinder" hat zum Sommerfest ins Tübinger Freibad geladen. Anna Priese

Mutter suchte verzweifelt Platz in Schwimmkurs

Dass Alice so selbstbewusst übers Schwimmen redet ist keine Selbstverständlichkeit. Die Zehnjährige hat das Down-Syndrom und ihre Mutter suchte für sie lange verzweifelt nach einem Platz im Schwimmkurs. Vor einem Jahr klappte es schließlich bei der Initiative "Schwimmen für alle Kinder". Eigentlich nahm die Vorsitzende Dagmar Müller damals keine Kinder mit Einschränkungen in die Kurse auf. Das Angebot richtete sich eher an Familien, die sich Schwimmunterricht nicht leisten können.

Schulleiter: Wer nicht schwimmen kann, hat es schwer

Doch Dagmar Müller überlegte und nahm Alice in einen Schwimmkurs mit auf. Mittlerweile seien mehr Kinder mit unterschiedlichen Einschränkungen in den Kursen dabei. Aber auch manchen Kindern ohne Behinderung falle das Schwimmen lernen nicht so leicht, so Claus Sieghörtner, Rektor der Grundschule im Aischbach in Tübingen. Das sei beispielsweise bei Klassenausflügen schwierig. 

"Bei allem sind die immer ängstlich und es ist kein Spaß für die Kinder. Wenn sie schwimmen können, können sie das ganz anders genießen."

Der Schulleiter betonte beim Sommerfest im Freibad Tübingen, dass der Schwimmunterricht in der Schule nicht ausreiche, um Kinder schwimmsicher zu machen. Es seien immer noch die Familien gefragt, ihre Kinder dabei zu unterstützen.

Das Strahlen der Kinder als Lohn

Wenn die Kinder das Schwimmen nach einem Kurs genießen können hat sich all die ehrenamtliche Arbeit für Dagmar Müller und ihr Team gelohnt: "Wir kriegen unseren Lohn in einer ganz anderen Währung. Das ist das Strahlen der Kinder, dass Alice nun eine ganze Bahn schwimmen kann. Und sie schwimmt mit Kindern, die keine Einschränkung haben und alle freuen sich."

Mehr zum Thema

Heidelberg

Fehlende Schwimmkurse und Corona-Pandemie Franziska van Almsick: "Schwimmen lernen ist lebensrettend."

Es gibt jedes Jahr im Sommer mehr Badeunfälle - die aber fast alle ganz einfach verhindert werden könnten. Deswegen kümmert sich Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick darum, dass Kinder Schwimmen lernen.  mehr...

Tödliche Badeunfälle mit Kindern Wer hat die Aufsichtspflicht bei Kindern im Schwimmbad?

In Nieder-Olm ist ein vierjähriger Junge im Freibad ertrunken. Dabei stellt sich immer die Frage nach der Aufsichtspflicht. Eltern oder Schwimmmeister?  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR