Ein Schüler tippt auf einem Tablet (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)

Computer statt Füller und Schreibblock

Gemeinschaftsschule in Tübingen setzt Digitalpakt um

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Corona hat gezeigt, wie wichtig die digitale Ausstattung der Schulen ist. Während andere noch mit Füller schreiben, hat eine Schule in Tübingen über 400 Tablets angeschafft.

Mit dem bundesweiten Förderprogramm "DigitalPakt Schule" stellt der Bund seit 2019 Mittel für die digitale Ausstattung von Schulen, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften bereit. Doch der Digitalpakt wird in den Schulen und den Kommunen ganz unterschiedlich umgesetzt. Als Vorbild gilt die Gemeinschaftsschule West in Tübingen. Sie hatte schon vor dem Digitalpakt einige Tablets angeschafft. Heute sind es genau 406 - für über 500 Schüler und Schülerinnen sowie 70 Lehrkräfte.

Digitalpakt mit der Gemeinschaftsschule West in Tübingen. Schüler mit Tabletcomputer. (Foto: SWR, Harry Röhrle)
In der Oberstufe hat jeder Schüler und jede Schülerin der Gemeinschaftsschule West in Tübingen ein eigenes Tablet im Unterricht und für die Hausaufgaben zu Hause. Harry Röhrle

Tablet statt Schreibblock und Füller

Die gesamte Oberstufe arbeitet ausschließlich mit Tablets, die sie auch nach Hause nehmen dürfen und sollen. Für die Unter- und Mittelstufe gibt es Tablet-Koffer, die die Lehrkraft bei Bedarf in den Unterricht mitbringt. Laut Angela Keppel-Allgaier, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule West, hat das Arbeiten mit dem Computer mehrere Vorteile: Die Schüler und Schülerinnen können zum Beispiel Informationen zu bestimmten Lernstoffen recherchieren, sammeln, austauschen und in einer Cloud speichern. Die Jüngeren bekämen ein Rüstzeug für die Zukunft, so die Rektorin.

Palmer will Digitalisierung vorantreiben

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer verlangt über den Digitalpakt hinaus Mittel für die digitale Ausstattung der Schulen. Bei einem Besuch in der Gemeinschaftsschule West am Montag sagte er: "Wir brauchen dauerhaft Unterstützung von Land und Bund. Denn ironischerweise bekommen die Kommunen nur die Erstausstattung finanziert und den Ersatz und die Modernisierung in drei bis fünf Jahren sollen die Städte und Gemeinden selbst zahlen. Da muss nachgebessert werden."

"Die Kreidezeit ist an dieser Schule vorbei"

Palmer fordert, dass alle Schulen einen digitalen Standard bekommen. "Die Kinder von heute werden in einer digitalen Welt leben und arbeiten. Schulen sollen auf das Leben vorbereiten und deswegen müssen wir die Schulen digitalisieren", so Palmer.

Digitalpakt mit der Gemeinschaftsschule West in Tübingen. OB Boris Palmer erklärt. (Foto: SWR, Harry Röhrle)
Der Tübinger OB Boris Palmer hat am Montag die Gemeinschaftsschule West besucht und geschaut, wie die Digitalisierung den Schulalltag verändert hat. Harry Röhrle

In Tübingen sind nach Angaben der Stadt seit Beginn des Digitalpakts acht Grundschulen, zwei weiterführende Schulen und das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum ausgestattet worden. So gibt es nun unter anderem WLAN in jedem Klassenzimmer. Zudem seien Schülerinnen und Schüler mit Endgeräten ausgestattet worden. Für die übrigen Schulen laufen laut Stadt die Planungen oder sie befinden sich schon in der Umsetzung. Bis zum Jahr 2024 sollen alle Tübinger Schulen auf dem gleichen Stand sein.

Millionen für die digitale Ausstattung

Für die Umsetzung der Digitalisierung an städtischen Schulen wurden zwischen 2019 und 2022 bisher rund 4,6 Millionen Euro investiert. Davon standen der Stadt Tübingen als Schulträgerin insgesamt rund drei Millionen Euro aus dem Digitalpakt Schule zur Verfügung. Zusätzlich erhielt die Stadt über das Sofortausstattungsprogramm knapp 690.000 Euro und über das Lehrkräfteausstattungsprogramm 374.000 Euro. Aus dem Administratorenprogramm stehen Tübingen weitere 340.000 Euro zur Verfügung.

Insgesamt hat die Stadtverwaltung seit dem Jahr 2019 für die Tübinger Schulen rund 3.500 Endgeräte beschafft, darunter 1.000 Laptops, 2.400 Tablets und 100 PCs.

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