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Die Betreiber von Restaurants, Bars und Hotels haben das versprochene Geld der November- und Dezemberhilfen vom Bund noch nicht bekommen. Tübinger Gastronomen sind wütend.

Über zehn Wochen haben sie schon geschlossen, kaum Einnahmen, aber laufende Kosten, klagen die drei Tübinger Gastronomen Dimi Katsaras (Schwarzes Schaf), Manolis Savvidis (Liquid Kelter) und Alexander Stagl (Hotel Krone). Vor allem zum Jahresende und Jahresanfang stapeln sich die Rechnungen für Versicherungen, Pacht und Leasingverträge. Finanzminister Scholz hat ihnen rund 75 Prozent des Umsatzes vom Vorjahresmonat durch Hilfsgelder versprochen. Bislang haben sie nur einen kleinen Bruchteil davon erhalten. Alle sind unzufrieden und verärgert über die momentane Situation. Viele Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, manche Mini-Jobber hätten bereits die Branche verlassen, so die Erfahrung der Gastronomen.

Gastro-Winterhilfen (Foto: SWR, Knöller)
Die Tübinger Gastronomen (v.l.n.r.) Alexander Stagl (Hotel Krone), Dimi Katsaras (Schwarzes Schaf) und Manolis Savvidis (Liquid Kelter) beim Interview in der Tübinger Kelter. Knöller

Software-Probleme verzögern Auszahlungen

Der Grund der Verzögerungen sind Software-Probleme im Bundeswirtschaftsministerium. Das haben SWR-Recherchen ergeben. Auf Nachfrage hat das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstagnachmittag bekannt gegeben, dass die Auszahlung der Novemberhilfen beginnen könne. Die technischen Probleme seien nun behoben, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. Die Gastronomen brauchen also noch länger Geduld, bis das Geld auf ihren Konten ankommt.

Lieferservice wird bestraft?

Außerdem ist bei den Regelungen zur Überbrückungshilfe II kurz vor Weihnachten Kleingedrucktes hinzugekommen. Überbrückungshilfe II bekommt demnach nur noch wer seine Fixkosten nicht decken konnte, also Minus gemacht hat. Das hieße für alle, die im Herbst mit Lieferservice einen kleinen Umsatz machen konnten - da ist noch von keinem Gewinn die Rede - bekommen vielleicht kein Überbrückungsgeld. Der Betreiber des Krone-Hotels Stagl ist wütend:

"Da werden jetzt alle bestraft, die Gas gegeben und das Beste daraus gemacht haben."

Der Tübinger Hotelier Alexander Stagl

Hätten sie ihren Betrieb zu gelassen, hätten sie jetzt noch Hilfe bekommen.

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