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Forscher des Tübinger Instituts für Tropenmedizin haben Schweineleber und Schweinefleischprodukte auf Hepatitis-E-Viren untersucht. Das Ergebnis der Studie: Das Fleisch ist häufig verunreinigt.

Untersucht wurden Schweinefleischprodukte aus verschiedenen Supermärkten aus Metzgereien in Tübingen, Reutlingen, Stuttgart und Dortmund. Zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 entnahmen die Forscher Proben von Schweinelebern, streichfähigen Leberwürsten, Leberpasteten und Rohwürsten ohne Leber wie Zwiebelmettwurst. Die auf Hepatitis-E-Viren (HEV) getesteten Proben stammten überwiegend aus Deutschland, einige aus Polen, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Die Studie zeigt, dass mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben mit dem HEV belastet sind, so die Angaben des Instituts für Tropenmedizin.

Virus kann Leberschäden auslösen

Das Hepatitis-E-Virus kann bei bestimmten Patienten Leberversagen auslösen, heißt es in der Mitteilung. Übertragen wird der Erreger demnach über rohes Fleisch und verunreinigtes Wasser. Rund 20 Millionen Menschen infizieren sich in Entwicklungsländern jedes Jahr so mit dem HE-Virus. Etwa 70.000 sterben an den Folgen.

Immer mehr Infizierte in Deutschland

Auch in Deutschland infizieren sich immer mehr Menschen mit dem Virus. Im Jahr 2011 wurden, laut Mitteilung, 238 Fälle gemeldet, 2019 waren es über 3.700 und damit fast 16 Mal so viele. Im August 2020 lag die Zahl für das laufende Jahr bereits bei 2.280 bekannten Fällen.

Kremsner (Foto: SWR, Hübsch)
Peter Kremsner, Direktor und Vorsitzender des Tübinger Instituts für Tropenmedizin Hübsch

Impfstoff in EU noch nicht zugelassen

Ein Impfstoff existiere bereits, so Professor Peter Kremsner, Direktor und Vorsitzender des Tübinger Instituts für Tropenmedizin. "Hecolin ist ein in China zugelassener HEV-Impfstoff. Die Europäische Arzneimittel-Agentur muss ihn allerdings noch für die EU evaluieren."

Fleisch vollständig erhitzen

Die Tübinger Forscher haben mit dem Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin und der Medizinischen Hochschule Hannover zusammengearbeitet. Das BfR hatte bereits in der Vergangenheit auf die Problematik hingewiesen. Ob das Virus in den Schweinefleischprodukten infektiös ist, haben die Wissenschaftler nicht untersucht. Verbrauchern wird daher geraten, die Produkte vollständig zu erhitzen.

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