Eine Anstecknadel gehört zu den Goldobjekten aus Poliochni auf Lemnos, die von dem internationalen Forscherteam untersucht wurden. (Foto: Pressestelle, Christoph Schwall / ÖAI Wien)

Neues zum Schatz des Priamos

Tübinger Forscher: Gold aus Troja und Ur hatte gleichen Ursprung

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Die Goldschmiede der frühen Bronzezeit waren offenbar gut vernetzt: Das Troja-Gold soll den gleichen Ursprung wie Schmuckstücke aus Georgien und dem heutigen Irak haben.

Eine deutsch-österreichische Forschungsgruppe hat neue Einzelheiten über den 1873 entdeckten Goldschatz aus der sagenumwobenen Stadt Troja herausgefunden. Einer der Initiatoren ist Ernst Pernicka, der Leiter des Tübinger Troja-Projekts.

Neue Lasermethode ermöglicht Analyse von Gold

Erstmals konnten die Forscher aus Deutschland, Österreich und Griechenland den in Athen aufbewahrten Goldschatz aus Troja mit einem Laser untersuchen, teilte die Uni Tübingen mit. Dazu wurde ein tragbarer Laser verwendet, dessen Strahl beim Herausschmelzen von Proben nur winzige Löcher hinterlässt - so winzig, dass man sie nicht sehen kann. So konnten Proben genommen werden, ohne den Schmuck zu beschädigen.

Halsketten (oben links), Ohrringe (oben rechts) und Broschen (unten) gehörten zu den Goldobjekten aus Troia, die von dem internationalen Forscherteam untersucht wurden. (Foto: Pressestelle, Foto: J. Huber, Ch. Schwall (ÖAI Wien) und Born et al. 2009)
Halsketten und ein Ohrring aus Troja, die das internationale Forscherteam untersucht hat. Pressestelle Foto: J. Huber, Ch. Schwall (ÖAI Wien) und Born et al. 2009

Handelsbeziehungen vom Mittelmeerraum bis in den Irak

Die chemische Analyse zeigte, dass das Gold aus Troja ähnliche Verunreinigungen enthält wie über 4.000 Jahre alte Stücke aus Georgien, der mesopotamischen Stadt Ur und der griechischen Insel Lemnos. Troja-Forscher Pernicka sieht das als Nachweis für weitreichende Handelsbeziehungen.

"Es muss Handelsbeziehungen zwischen diesen weit entfernten Regionen gegeben haben"

Ketten und Ringe aus Troja waren keine Einzelstücke

Auch sei nachgewiesen, dass Goldschmiede ihren Schmuck damals schon in Serie gefertigt hätten. Anders seien zum Beispiel die identischen Verunreinigungen in den Goldplättchen von Halsketten gleicher Machart, die aber an unterschiedlichen Orten gefunden wurden, nicht zu erklären.

Das Rätsel weiter ungelöst: Woher kommt der Schatz des Priamos?

Die Gold-Analyse deutet den Forschenden zufolge darauf hin, dass das im trojanischen Schmuck verarbeitete Gold aus einem Fluss gewaschen wurde. Allerdings konnte das Forschungsteam nicht herausfinden, aus welcher Gegend das Rohgold ursprünglich stammt.

Über 60 Schmuckstücke untersucht

Insgesamt untersuchte das Forscherteam 61 Halsketten, Ringe und andere Schmuckstücke, die aus der frühen Bronzezeit zwischen 2.500 und 2.000 v. Chr. stammen.

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