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Während das Robert-Koch-Institut von mehr Einschränkungen spricht, um die dritte Welle der Corona-Pandemie zu brechen, kann Tübingen öffnen. Das liegt an der Teststrategie. Die funktioniert gut, aber vorerst nur dort, so ein direkt Beteiligter.

In der Modellstadt Tübingen haben, anders als in vielen Regionen Baden-Württembergs, Geschäfte und Gastronomie aktuell geöffnet. Hintergrund ist die umfassende Teststrategie in der Stadt, wonach nur derjenige in den Genuss von geöffneten Läden, Biergärten und Co. kommt, der einen tagesaktuellen, negativen Corona-Test vorweisen kann.

Dieses Zwischenfazit hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) nach einer Woche im SWR am Montag gezogen:

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Der Tropenmediziner Carsten Köhler gehört zum Team, das den Modellversuch in Tübingen wissenschaftlich begleitet. "Bisher kann man eine sehr gute, positive Bilanz ziehen", sagte er im SWR. Die wissenschaftliche Begleitung laufe zwar erst seit dieser Woche in vollem Umfang, aber er hoffe auf weiter gute Ergebnisse, "damit es ein Modell wird, das nicht nur ein Modell bleibt, sondern das langfristig in Tübingen eine Perspektive schafft".

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Corona-Test machen = Freiheiten genießen

Die Kombination funktioniere sehr gut in der Stadt, so Köhler: "Die Menschen gehen auch wirklich dorthin zum Testen - wenn man in die Geschäfte rein will, wird der 'Tübinger Tagespass' auch kontrolliert, sodass man dort auch nur reinkommt, wenn man wirklich mitmacht." So fungiere das Shoppen als Instrument, um mögliche "Spreader" zu identifizieren.

Das ganze Interview mit Carsten Köhler können Sie hier jederzeit anhören:

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Fragen offen, was größere Maßstäbe angeht

Für Städte wie Tübingen mit seinen knapp 100.000 Einwohnern zeichne sich schon ab, dass das Modell gut funktioniere. Eine Übertragung auf größere Städte aber werfe viele Fragen auf. Skeptisch reagierte Köhler auch auf die Überlegung des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU), ein entsprechendes Modell auf ein ganzes Bundesland zu übertragen. "Das Wichtige ist, dass wir wirklich alle erfassen. Wenn sich da immer eine gewisse Anzahl von Menschen diesen Kontrollen entzieht und in der Stadt herumläuft, dann kann das natürlich auch schnell mal schief gehen", so Köhler weiter. Alle müssten also mitmachen, "nur dann kann es funktionieren."

Dutzende Kommunen in Baden-Württemberg sind aktuell daran interessiert, den Tübinger Weg ebenfalls einschlagen zu wollen. "Allein in den letzten drei Tagen hat sich eine dreistellige Zahl an Städten und Gemeinden bei mir gemeldet, die solche Modelle umsetzen wollen", sagte der Präsident des baden-württembergischen Gemeindetags, Steffen Jäger.

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