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Das Bundesgesundheitsministerium will fünf Prozent aller Corona-Tests auf Mutanten des Virus überprüfen lassen. Das findet der Chef des Tübinger Biotech-Unternehmens Cegat sehr sinnvoll. Er befürchtet aber, dass Lobbyarbeit dahinter steckt.

Jens Spahns Ministerium will wissen, ob und wie sehr sich Virusmutationen wie die englische oder die südafrikanische Corona-Variante in Deutschland ausbreiten. Deshalb hat das Ministerium die Tests angeordnet.

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Cegat ist spezialisiert auf humangenetische Laboruntersuchungen. Deshalb, so Geschäftsführer Dirk Biskup, sei es sehr gut vorbereitet darauf, solche Tests zu machen.

Zugelassen für die Tests seien gerade aber nur Virologen und Labormediziner. Biskup schließt nicht aus, dass Lobbyarbeit dahinter steckt. Möglicherweise sei es aber auch schlicht ein Fehler in der Gesetzesvorlage, der dann allerdings korrigiert werden müsse. Denn es sei sinnvoll, wenn alle solche Sequenzierungen durchführen dürften, die das Wissen und die Kapazität dazu haben. Sollte es sich bei der Anordnung um das Ergebnis von Lobbyarbeit handeln, fände er das "schändlich", angesichts der Extremsituation, in der wir uns mit der Pandemie befänden.

Cegat hat bislang vor allem mit seinen Tests öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. Im Sommer habe die Firma am Stuttgarter Flughafen bis zu 3.000 Reiserückkehrer am Tag getestet.

Geimpfte auf Antikörper testen

Nun sieht Biskup eine neue Funktion für ein Produkt aus seinem Unternehmen: im Zusammenhang mit den Corona-Impfungen. Wenn man davon ausgehen müsse, dass nur 95 Prozent der Geimpften tatsächlich Antikörper entwickeln, sei ein Antikörper-Test eine gute Methode, herauszufinden, ob man zu den erfolgreich Geimpften gehört.

Allerdings muss man nach Angaben des Robert-Koch-Instituts beachten, dass auch erfolgreich Geimpfte das Virus noch weitergeben und andere anstecken können.

Mehr Rechte für Geimpfte

Über den Vorschlag von Bundesaußenminister Maas, Geimpften früher als anderen den Besuch von Konzerten, Kinos und Gaststätten zu erlauben, hat sich Cegat-Chef Biskup gefreut. Er empfinde das als einen positiven Anreiz, sagte er im SWR. Neid sei da fehl am Platz. Er würde es jedem, der geimpft ist, gönnen, in ein Restaurant zu gehen. Und er würde es den Gastronomen gönnen, ihre Restaurants wieder zu öffnen - zum Beispiel für eine Party für 80-Jährige.

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